Samstag, 28. Februar 2015

Spaziergang auf den Weinberg

Der heutige Tag begann etwas verregnet, doch ich legte mein volles Vertrauen in den Wetterbericht, der uns für heute noch Sonne versprochen hatte und fuhr mit Maya nach Groß Fredenwalde, welches bei Gerswalde liegt. Der Bildhauer Dietmar Lange hatte mir angeboten, mich in seinem "Kiez" etwas herumzuführen - ich freute mich darauf. Mit dabei hatte ich dieses Mal nicht meine Lumix, sondern eine von meiner besseren Hälfte geborgte Kamera.







An Tzilles Atelier angekommen, hatte der Regen bereits aufgehört und wir machten uns auch sogleich auf den Weg. Das Ziel war die Spitze des Weinbergs, die größte Erhebung in der Uckermark und Ort der ältesten Ausgrabungsstätte in Norddeutschland.
Fotografierend und erzählend umrundeten wir den Weinberg - eilig hatten wir es nicht - und während wir so liefen, klarte der Himmel immer mehr auf und bot einen guten Fernblick auf die märchenhafte Umgebung, die einem anderen Jahrhundert entsprungen zu sein schien. Kleine Dörfer am Horizont liegen verschlafen zwischen sanften, saftig grünen Wiesen und Feldern, tiefe Wolken bedecken übersichtliche Kiefernwälder und bieten den Hintergrund für Aufnahmen von Wildgänsen, Kranichen, Hasen und Rehen.







Vom Weinberg aus hat man wirklich eine grandiose Aussicht. An der Ausgrabungsstätte erwartet einen eine Bank zur Erholung und etwas Schatten, falls man solchen im Sommer benötigen sollte. Heute war es allerdings recht windig und der mitgebrachte Tee kühlte schnell ab. Nach einer kürzeren Pause entschieden wir uns für den direkten Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt.








Wieder in Groß Fredenwalde angekommen, besichtigte ich noch kurz die Neuerungen im Schutz- und Skulpturengarten, um dann mit der Sonne ins Randowtal zurückzukehren. So schön es an der Ucker auch war, ein vertrautes Gefühl durchfuhr mich, als ich zwischen Lützlow und Wollin ins Tal blickte - wieder Zuhause. Wie wunderbar, eins zu haben!





Freitag, 27. Februar 2015

Von Licht und Schatten

Mit dem Frühling kommt auch das Mehr an Licht. Bis zu 9 Stunden Licht verwöhnen uns nun täglich. Besonders in den Morgenstunden, wenn die Sonne sich durch den Morgennebel kämpft, wirkt es unglaublich stark auf meine Stimmung. Ich mag Licht ganz besonders, wenn es gebrochen wird oder schräg kommt, weniger die pralle Mittagssonne oder den klassischen Sommersonnenstrand. Am meisten gefällt mir das Zusammenspiel von Licht und Schatten, bei dem sich durch den Lichteinfall Farben und Formen ändern können, wie es nach meinem Empfinden zum Beispiel Carl Blechen (Amazon) dargestellt hat.


Unser Obstgarten im Morgennebel

Blick ins Randowtal in der Frühe

Kopfweiden im Morgenlicht

Wo Licht ist, fällt auch Schatten - India wirft einen besonders großen, wie es scheint, zumindest ist sie selbst verwundert, plötzlich von einem eigenartigen Wesen verfolgt zu werden. Es bereitet viel Freude, zu beobachten, wie die Tiere Schatten beobachten oder Lichtstrahlen verfolgen. Nicht umsonst ist der Laserpointer das Lieblingsspielzeug von Einzelkatzen.


Ein ziemlich aufdringlicher und großer Schatten

Maya betrachtet misstrauisch ihren Schatten während sie Katzenfutter nascht


Nina und Peter begutachten eine Lichtspur

Das schöne uckermärkische Licht wird nur von wenigen Bäumen gebrochen. Ich werde nicht müde, dies zu erwähnen, da viele meiner Gedanken um den Umgang des Uckermärkers mit den mir so wertvollen Atemspendern kreisen. Nicht nur sind die Uckermärker recht forsch, was das Beschneiden ihrer Obstbäume oder etwa Tannen und Hecken betrifft, auch sehen sie wahrscheinlich keinen besonderen Nutzen darin, einen Baum besonders alt werden zu lassen. Zumindest habe ich hier noch keine sehr ehrwürdigen Bäume angetroffen. Viele wunderschöne Alleebäume werden gefällt, entweder weil Straßen erweitert werden, oder weil sie durch den LKW-Verkehr beschädigt wurden und nur wenige werden durch Neupflanzungen ersetzt. Gerade bei den uckermärkischen Windgeschwindigkeiten landet so umso häufiger der Sand von den Feldern auf den Wegen, Straßen und Autobahnen. Da waren die älteren Generationen Uckermärker meines Erachtens nach vorausschauender.
Gestern allerdings bleib mir das Herz fast stehen, denn als ich am Grünower See vorbeifuhr, sah ich überall gefällte Bäume. Dasselbe Schicksal erlitten schon vor zwei Jahren die wunderbaren Bäume am Lützlower See, der damit keine Schattenspender im Sommer mehr hat.


Am Grünower See gefällte Bäume

Auf einem uckermärkischen Hof vorgesägtes Brennholz

Der klassische Brennholzstapel

Hütten aus Brennholz
Ich habe keine Ahnung, was die Pläne am Grünower See sind, aber ich weiß, dass sich da vordem eine beliebte Raststätte für durchfahrende Reisende befand, eine von den vielzähligen "Kesselküchen", die in der Uckermark die Imbisskioske ersetzen. Auch sie lag in Trümmern.
Mit solchen Gedanken im Hinterkopf fällt es mir schwer, die allerorts zu hörenden Kettensägen auszuhalten, mit deren Hilfe das bereits erwähnte Brennholz der Uckermärker vorbereitet wird.


Kein seltener Anblick:
auf Kopf beschnittene Kastanien, Eichen, Buchen

Bäume als Rohstoffträger, nicht anders als Weizen oder Mais und Raps - das ist ein Konzept, das einem Großstadtkind wie mir, dem der Baum als Sagenstoff, als Oase der Seele, Sauerstoffspender und Wasserspeicher neu ist. Zu wertvoll erscheinen mir die Bäume - gerade hier in der Uckermark, wo so wenige anzutreffen sind. Und doch - auch die Artenvielfalt der Vögel überrascht mich in der Uckermark immer wieder und ich frage mich: wo nisten sie eigentlich? Oder handelt es sich um eine verzerrte Wahrnehmung meinerseits? So wie die vielen Jägerschießstände auf den Feldern eine viel geringere Population an Hasen, Rehen und Wildschweinen vermuten lassen würden, als es in Wirklichkeit gibt?


Pfote an Pfote in der Sonne

Mittwoch, 25. Februar 2015

Sonnenbaden und Gartentoberei

Meine Tiere setzen sich selbst nicht unter Druck. Nur weil die Frühlingssonne scheint und der Himmel blau erstrahlt ist, stürmen sie nicht gleich ins Freie, um das Beste aus dem Tag herauszuholen. Stattdessen bleiben sie dort, wo sie sowieso gerade sind und genießen den prallen Sonnenschein, der ihnen aufs Fell scheint und die jungen Knochen wärmt. Ist Genuss ohne Bewertung möglich? Ist das menschliche Wissen um die Kostbarkeit eines schönen Augenblicks nicht erst das, was dem menschlichen Leben bewusstes Entscheiden für eine bestimmte Art zu leben, möglich macht? Bewusstes Entscheiden und Dankbarkeit für schöne Augenblicke des Lebens sind eine wunderbare Gabe, doch fehlt den Tieren die oft damit einhergehende Jagd nach genussvollen Erlebnissen und Ungeduld mit dem, was gerade passiert. Dabei sehe ich gern zu.


Zu zweit in der kleinen Tasche ist es schon recht eng...

... zu dritt allerdings erst wirklich kuschlig!

Besser, man hat die Kudde für sich selbst. Und den Knochen auch!

In der Randowtaler Umgebung spielen sich die gleichen Szenen ab, wie auch am gestrigen Tag - doch heute sind sie in ein goldenes Licht getaucht, das mich länger hinsehen lässt. Der Wind ist freundlicher, wärmer und gibt auch mir die nötige Geduld, um die Stimmung in mich aufnehmen zu können. Die grasenden Tiere wirken entspannt und geschäftig zugleich, die Luft ist voller Vogelstimmen, obwohl - wir befinden uns schließlich in der Uckermark - sehr wenige Bäume zu sehen sind. Selbst als ich mich suchend umsehe, kann ich nur einzelne Raben und Krähen entdecken.


Die Rehe auf ihrem alten Platz

Die Gänse grasend gleich daneben

Im Garten sind überall Schneeglöckchen verteilt

Am Nachmittag lasse ich die Hunde im Garten toben. Dort balgen und rennen sie nicht nur über die Wiese, sondern entdecken auch allerhand Dinge aus dem Vorjahr, wie Nüsse, verfaulte Äpfel, vertrocknete Äste, aber auch neue Triebe und Schneeglöckchen. Ich muss mich selbst daran erinnern, dass es ja der ursprüngliche Plan war, Karlchen einen Artgenossen zur Seite zu stellen, der windspielgerecht mit ihm flitzen würde, so beängstigend empfinde ich die Wildheit und Geschwindigkeit, zu der Indy und Karly nach einer Weile aufdrehen. Noch fehlt mir das Gefühl dafür, wann es Zeit ist, einen von beiden etwas zu bremsen - von Welpenschutz ist nicht viel zu spüren.


Indy folgt Karlchen in den etwas verwilderten Garten

Es geht wild her unter Windspielen

Maya begutachtet Indias Spiel mit dem Fallobst vom letzten Jahr

Auch an einem Gruppenfoto versuchte ich mich wieder - mit ganz ähnlichem Ausgang wie auch beim letzten Mal. India hatte Spannenderes zu tun, als auf meine Gesten zu achten - ihre Welt ist in Ordnung, solange sie meine Schuhe sieht. Ansonsten gibt es natürlich alle paar Zentimeter etwas zu sehen, zu beschnüffeln und anzukauen - die Welt ist groß, interessant und lecker!


Ein Hund fehlt!

Zwei langweilen sich - zwei sind abgelenkt...

Nina lacht mich aus

Windspiele haben eine relativ hohe Lebenserwartung von über 15 Jahren. Dafür vergeht ihre Kindheit ziemlich schnell. Ich bin immer wieder davon beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit India Neues in sich aufnimmt, selbstsicherer und mutiger wird und wie rasend schnell sie wächst. Ich finde, dass ihr kleines Näschen schon etwas länger geworden ist und etwas mehr nach Windhund aussieht, oder?



Dienstag, 24. Februar 2015

Hurra! Die Graugänse sind da!

Heute Morgen war es soweit: an einer Stelle, an der ich normalerweise Ausschau nach Rehen halte, sah ich sie, die ersten Wildgänse, Vorboten des Frühlings! Erst einige, dann immer mehr in trauter Gemeinschaft mit den Kranichen. Trotz des Schneefalls in anderen Regionen Deutschlands bin ich mir also sicher - der Frühling wird nun wirklich kommen und wir können schon einmal Ausschau nach den ersten Störchen halten, denn Afrika haben diese bereits verlassen.


Kraniche und Wildgänse in Eintracht

Der Graugansbestand hat sich seit den 70er Jahren erholt

Der Uckersee am Morgen

In gehobener Stimmung fuhr ich nach Prenzlau und da meine Amerikaner mich begleiten durften, machte ich auch einen kleinen Halt am Unteruckersee. Zum einen wollte ich Indy schon etwas an die Leine gewöhnen und zum anderen einen Blick auf die Vogelpopulation werfen. Vielleicht hat sich ja  auch hier etwas getan.








Der See empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, aber den Windspielen war das Wetter dennoch nicht recht: zu schön empfinden sie ihr häusliches Dasein auf der Sonnenfensterbank im beheizten Haus. Eine bekannte Züchterin hatte mich gewarnt, ich bräuchte gar nicht so viele Pläne für den Winter mit den Kleinen machen - sie würden die kalte Jahreszeit über in eine Art Winterschlaf verfallen.  Ich kann sie insofern bestätigen, dass sie es sehr gerne täten, wenn ich sie nicht gelegentlich wieder in die Realität zurückholen würde. Die Vögel des Unteruckersee schliefen übrigens auch noch und bemühten sich erst nach unserer Ankunft träge ins Wasser oder in die Luft. Es waren die üblichen Verdächtigen: Schwäne, Enten, Möwen und Blessrallen (Blässhühner). 








Das Erlernen der Leinenführigkeit ist bei kleinen Hunden ein ganz anderes Thema als bei den größeren Exemplaren. Entweder liegt es daran, dass man an seinem Ende der Leine ganz automatisch die nötige Sicherheit und autoritäre "Schwere" ausstrahlt, oder der Hund ist von Anfang an schlau genug, sich nicht auf ein Kräftemessen einzulassen - jedenfalls bemerke ich Indy und Karly kaum, auch mit einer Kamera in der Hand. Sobald ich mit Nina und Maya an der Leine unterwegs bin, dann muss ich beide absitzen lassen, um allzu verwackelte Aufnahmen zu vermeiden. Ok, das ist eine Untertreibung - eigentlich bin ich froh, wenn sie mir nicht den Arm auskugeln.

Nachdem ich heute ein paar Fotos geschossen hatte, musste ich schon wieder zurück, aber India fand den kurzen Ausflug auch so sehr abenteuerlich und anstrengend und schlief auf dem Rückweg sofort ein.