Montag, 30. März 2015

Von Straßen ohne Namen in Bildern ohne Farbe

Navigation durch die Uckermark


Wer sich von einem Navigationsgerät durch die Uckermark führen lässt, wird feststellen, dass es sie hier in großer Anzahl gibt: die Straßen ohne Namen. Neue Postboten brauchen schon einmal ein paar Tage länger, um zu verstehen, dass die allgegenwärtige Dorfstraße auch noch außerhalb des Dorfes Hausnummern aufweisen kann und dass zum Beispiel der Ausbau Eickstedt über einen Kilometer  und vom Dorfende nicht sichtbar entfernt liegt. Da in unserer Gemeinde Randowtal einige Dörfer zusammengefasst wurden, nutzt die Angabe des Straßennamens Dorfstraße, Hausnummer und Postleitzahl plus Ort Randowtal herzlich wenig, um die Post zuzustellen. Besser ist es, die Empfänger persönlich zu kennen, dann können auch Lieferungen, die im Zeitalter begrenzter Adresseingabefelder -wer bedenkt schon die uckermärkische Verschachtelung in Ortsteile von Ortsteilen von Orten bei der Programmierung seiner Website- die Pakete an die richtigen Empfänger übergeben werden. In der Vorosterzeit ist dies natürlich von besonderer Bedeutung!


Ein uckermärkischer Vorostersturm

Der berühmte Prenzlauer Viertürmeblick mit Straßenschild

Der uckermärkische Fernblick einmal in Schwarz-Weiß


Schon in der christlich geprägten Tradition nimmt Ostern nicht nur zeitlich (Aschermittwoch, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag und Ostermontag), sondern auch von der Bedeutung her sehr viel Raum ein. So manchem Christen bedeutet Ostern mehr als das Weihnachtsfest. Zusätzliches Gewicht erhalten die kommenenden Festtage noch durch die traditionellen Frühlings-, Fruchtbarkeits- und Sonnenwendefeiern samt ihrer Symbolik von Osterfeuer, Eiern und Hasen. Ich selbst bin einem gewissen Maß an Metaphorik und kulturellen Symbolen durchaus zugeneigt und weiß natürlich jede Gelegenheit zu schätzen, mit meinen Liebsten Geschenke auszutauschen, doch Indias und Antons Umgang mit dem Plüschosterhasen auf den folgenden Bildern hat mich dann doch amüsiert. Mich würde interessieren, als welche Gestalt sie diesen Gegenstand aus Plüsch selbst wahrnehmen.








"A street without a Name" ist übrigens auch der Titel eines Buches der Autorin Kapka Kassabova, in dem sie sehr anschaulich und einfühlsam von einer vergangenen, gegenwärtigen und auch immer noch nicht gern rezipierten Welt berichtet: dem EU-Mitgliedstaat Bulgarien. Wer also noch ein Osterpräsent oder Lesestoff für die Feiertage sucht, dem sei ein Blick in dieses Buch empfohlen. 

Ansonsten bringen U2 meine Wünsche für den kommenden Tage schon ganz gut auf den Punkt, wenn sie singen:

I want to feel, sunlight on my face;
See that dust cloud disappear without a trace.
I want to take shelter from the poison rain;
Where the streets have no name
Where the streets have no name
Where the streets have no name








Samstag, 28. März 2015

Krank mit Hund



Neulich meinte eine Bekannte sinngemäß zu mir: "Ich habe meinen Mann schon vorgewarnt, dass hier, wenn wir berentet sind, Windspiele und Katzen einziehen. Als Beleg habe ich Deine Fotos genommen und er war überzeugt."
Ich halte das für eine perfekte Idee, Windspiele sind tolle Hunde für Ältere! Sie sind sehr anpassungsfähig und solange man die Stunde Freilauf am Tag organisiert bekommt, sehr leicht auszulasten. Doch auch hier möchte ich noch einmal meine Bitte anbringen, die Spielchen doch besser zu zweit zu halten, genau wie die Katzen natürlich. Bei der Katzenhaltung hat es sich ebenso wie bei der Vogelhaltung inzwischen herumgesprochen, dass diese Tiere nicht für die Einzelhaltung geeignet sind. Es wäre schön, wenn sich diese Erkenntnis auch bei den Windhunden durchsetzen könnte. Die Argumente sind eigentlich dieselben wie bei den Katzen: nichts und niemand kann einen Artgenossen ersetzen.







Nun bin ich zwar nicht berentet, aber sehr stark erkältet und damit auch lieber in einem Zustand der Ruhe als in einem der Bewegung. Für die Windspiele nicht wirklich dramatisch, für einige Tage genügt ein großer Garten und ein paar Intelligenz- und Suchspiele. Maya und Nina sind allerdings keine Windspiele und brauchen mehr Bewegung und Anregungen. Da sie nicht als reine Wohnungshunde gehalten werden, kommen sie auch gerne einmal ein bis zwei Tage ohne ihre Runden im Randowtal aus, aber danach werden sie sehr unruhig, was sich vor allem an ihrer nächtlichen Aktivität und Wachsamkeit zeigt. Und so wie man sich auch leichter zu einem Frühjahrsputz in der Schule der Kinder aufrafft als zu einem im eigenen Zuhause -man ist ja schließlich krank- so bewirkt auch die Anwesenheit von Hunden im Haushalt, dass man dann eben doch seinen Spaziergang schafft, auch wenn man es sich selbst vielleicht kaum zugetraut hätte. In diesem Sinne sind Hunde nicht nur Therapeuten, sondern auch Trainer. Eine meiner Prinzipien ist jedoch auch, meine Hunde nicht zu sehr zu trainieren -Maya könnte z.B. auch gut 3 Stunden am Rad laufen - eben damit die Auslastung meiner Fellnasen nicht zu meinem eigenen Stress beiträgt.






Vielleicht ist es auf den Bildern zu sehen: der Einzug des Frühlings schreitet weiter voran, trotz eines recht trüben Wetters. Die Kinder haben inzwischen auch unseren Garten für das Osterfest geschmückt und India entwickelt sich immer mehr von einem Welpen zum Junghund. Ganze 27cm misst unsere kleine Lady und ist so lebhaft und fröhlich wie ein Floh. Ich finde ja, dass sie mit ihren 15 Wochen schon sehr nach einem Windspiel aussieht, wenn ich mir die unteren Bilder so betrachte...






Donnerstag, 26. März 2015

Von Blüten und Hunden

Nachdem uns seit Tagen schon wunderbare Blütenbilder aus der südlichen Uckermark erreichen, bereitet sich auch das Randowtal auf ein Osterfest in voller Blütenpracht vor. Bisher hingen die ersten Osterschmückereien - die der Nachbarn vorerst - noch an recht kahl und braun anmutenden Sträuchern, die alle den milden Winter gut überstanden zu haben scheinen. Doch nun kann ich, wenn auch auf einem recht trist anmutendem grauen Hintergrund, die ersten aufgebrochenen Knospen der nördöstlichen Uckermark dokumentieren.








Auch die Schneeglöckchen verabschieden sich so langsam, um den Krokussen und Tulpen Platz zu schaffen. Was uns nun noch fehlt, sind zuverlässiger Sonnenschein und Temperaturen über der 15-Grad-Marke, um das Osterfest - und die Vorbereitungen desselben - an die frische Luft zu verlegen.
Den Windspielen macht das trübe Wetter natürlich keine Spiel- und Tobelaune, doch auch Nina lässt ihre kleinen Retrieverohren hängen und schaut etwas melancholisch in die Welt. Zugegeben, etwas Melancholie liegt in den meisten Retrieveraugen, doch ich finde, dass unser Familienhund heute ganz besonders bedrückt wirkt.


Die Amerikaner halten die Stellung auf ihrem Fensterplatz

Für Maya gibt es kein schlechtes Wetter

Nina träumt

Zum Glück aller Hausbewohner hat mir mein Held einen Strauß frischer duftender Tulpen mitgebracht, der uns viel Freude beschert hat. Wie wunderbar doch die Gewissheit ist, dass in ein paar Wochen solch eine Farbenpracht allerorts in großer Fülle zu finden sein wird! Und wie unglaublich das Wissen, dass Indy noch keinen einzigen Frühling kennengelernt hat und diese Gewissheit gar nicht haben kann.






 
 



Mittwoch, 25. März 2015

Von Hunden und Menschen





Ich hatte ja schon mal von Karlchens rabiatem Spieleverhalten India gegenüber berichtet. Heute war es dann soweit: mit einem eleganten Sprung aus dem vollen Sprint heraus landete er mit seinen Hinterpfoten auf Indys Hüfte, die zuerst in Panik ausbrach und dann den ganzen Tag über hinkte. Zum Glück hat sie sich ihre zarten Knochen nicht gebrochen, aber eine zusätzliche Ermutigung für unsere Stubenhockerin doch mehr die weite Welt der Natur für sich zu entdecken ist es sicherlich nicht.

Karlchen ist es gewohnt, mit Nina zu toben

Karly und Maya teilen sogar Futter

"Hallo Süße!"

So sehe ich die Mehrhundehaltung: das Leben in einer Hundegemeinschaft erlaubt den einzelnen Hunden das Ausleben mehrerer sozialer Rollen. Ein Hund lernt nicht nur mit dem unterschiedlichen Aktivitäts- oder Agressionspotential anderer Rudelmitglieder zu leben, sondern auch auf unterschiedliche Spiel-, Ruhe- und Distanzbedürfnisse einzugehen. Karlchen z.B. hat durch das Hinzukommen von India ganz neue Seiten an sich entdecken dürfen, die er in der engen Beziehung zu Maya nicht ausleben konnte. Würde Maya nicht mit Nina in einem Haushalt zusammenleben, hätte sie nie gelernt, auf Ninas vollkommen andersartiges Spieleverhalten und aus Mayas Sicht Distanzlosigkeit angemessen einzugehen.
Lernen ist natürlich ein Prozess und ein Hund wie Karly, der mit größeren Hunden aufgewachsen ist, benötigt sicher etwas Zeit, um im Spieleifer Indys Möglichkeiten richtig einzuschätzen. Bleibt nur zu hoffen, dass India diesen Prozess ohne größere Verletzungen übersteht.


India hält sich lieber abseits

Hier schmerzt die Hüfte noch

Aua!

Hunde leben aus meiner Sicht sehr erdverbunden - im Gegensatz zum Menschen haben sie schließlich nicht die Ausweichmöglichkeit in eine geistige Welt. Damit hängen sie auch in ihrem Lebensglück stark von den äußeren Bedingungen ab: der Futterqualität, dem körperlichen Befinden, der emotionalen Nähe zu anderen Lebewesen. Hunden, die sich sehr eng auf die Lebenswelt des Menschen einstellen müssen, wird viel Energie entzogen, aber wenig hundeadäquater Ausgleich geboten. Leistungsbezogene Hundesportarten bieten dann zwar Kontakt zu ihrem Hundeführer, aber eben kein Schnüffeln, Jagen, Toben, Paaren, Aufzucht. Diese Dinge machen das Hundeleben möglicherweise aus Hundeaugen aus. Vor diesem Hintergrund könnte sich eigentlich der Dienst am Menschen zusätzlich abspielen und nicht andersherum, dass der Hund ein modernes, isoliertes, technologisiertes, chemisches Menschenleben führt und als Ausgleich für eine Stunde am Tag auf die Hundewiese zu seinen Sozialkontakten darf.

Vielleicht lässt sich meine Wunschvorstellung eher als ein Leben mit Hunden und weniger als ein Leben für den Hund oder etwa das andere Extrem Leben mit dem Nutzobjekt Hund beschreiben.


Ich hab Dich lieb!

Dienstag, 24. März 2015

Lützlow am Morgen


Durch meine eigene Erkältung spielte sich ein Großteil der Hundeaction in den letzten Tagen im heimischen Garten ab. Genügend Gelegenheit zum Löchergraben, für Fangespiele, längere Sprints und das Vorführen geschickter Sprungeinlagen also. Besonders Karlchen, der ja nun voll ausgewachsen und voll jugendlicher Lebenskraft steckt, zeigt sehr gerne, wie geschickt und wendig er sich zu bewegen weiß. India verbringt für meinen Geschmack noch viel zu wenig Zeit an der frischen Luft, dafür ist sie im Haus jetzt wirklich angekommen und meistert routiniert alle Treppen, Katzenklappen und Sofasprünge.


 




Heute allerdings nahm ich Maya, die am meisten Auslauf benötigt, mit nach Lützlow, um ihr ein wenig Abwechslung und freies Rennen und Erkunden zu bieten.
Lützlow ist eines der schönsten am Randowbruch gelegenen Dörfer und auch jenes, das die meisten Urlauber anzieht. Nahe genug zur Gramzower Infrastruktur und dem Zehnebecker Forst gelegen, verfügt es über einen gepflegten, sauberen Badesee, eine gut erhaltene Feldsteinkirche und ein saniertes Gutshaus. Zudem befindet sich ganz in der Nähe, einige hundert Meter entfernt in Richtung des Randowtals das für mich beeindruckenste Hünengrab der Uckermark. Dieses Hünengrab ist neben dem Lützlower See eines meiner häufigsten Wanderziele und auch heute zog es mich zu diesem besonderen Aussichtspunkt über das Randowtal. Der Weg dorthin ist einfach: links am Gutshaus vorbei folgt man dem Heuweg bis zum Ende, der direkt zum Hünengrab  und ins Tal führt.


Das Gutshaus in Lützlow
Maya ist glücklich!

Das Lützlower Hünenrab 
Der Ausblick vom Hünengrab
 
Das Randowtal ganz verschlafen
Vom Hünengrab aus hat man einen wunderbaren Blick über fast das gesamte Randowtal bis nach Blumberg und ebenso eine Vielzahl von Spazierwegen zur Auswahl. Dieser Ort lädt jedoch auch einfach nur zum gemütlichen Zusammensitzen oder für den individuellen Rückzug ein: es gibt sogar eine Bank und eine kleine Feuerstelle. Heute tankten Maya und ich einfach nur frische Luft, Stille und etwas Frühlingssonne. Mayas Lächeln ließ mich sogar großzügig über ihr neu aufgetragenes und optisch nicht sehr ansprechendes "Eau de Mist" hinwegsehen, als wir uns nach einem kleinen Plausch mit einer Dorfbewohnerin auf den Heimweg machten.


Die Lützlower Kirche

Ich habe lange überlegt, ob ich Maya in diesem Zustand ins Auto lasse...

Der Uckermärker ist natürlich eher für seine genügsame, bodenständige und die Nützlichkeit hinterfragende Lebensart bekannt, so haben sich auch meine orientalischen Katzen und amerikanischen Windspiele an das uckermärkische Leben angepasst. Sie verbrauchen nur minimal Energie, leben platzsparend und sich stapelnd auf kleinstem Raum - nur mit der Selbstversorgung über die Mäusejagd will es noch nicht ganz klappen. Aber ich halte euch natürlich auch darüber auf dem Laufenden!