Sonntag, 28. Juni 2015

Sonnenbrand und nasse Schuhe

Angekommen

Eine altbekannte Randowtaler Weisheit lautet: "Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt."  Wikipedia meint dazu:
"Statistische Analysen ergaben, dass sie zwar nicht für den Siebenschläfertag selbst, jedoch für die erste Juliwoche in Süddeutschland in 60–70 %, in München sogar in 80 % der Fälle zutrifft, was mit der vom Jetstream abhängigen Großwetterlage zusammenhängt, welche sich üblicherweise Ende Juni bis Anfang Juli für einige Zeit stabilisiert. Da diese Bauernregel schon deutlich vor der gregorianischen Kalenderreform von 1582 entstand, ist der heutige Siebenschläfertag eigentlich der 7. Juli. Für den Zeitraum vom 5. bis zum 10. Juli hat der Meteorologe Franz Baur" (1887–1977) eine statistische Häufung nachgewiesen.[1]"
Betrachten wir das gestrige Wetter vom Siebenschläfertag, so können wir nur feststellen: Glück gehabt, dass die Regel viel besser für Anfang Juli zutrifft, denn wechselhafter als das Wetter vom 27.06.2015 kann es kaum werden. Im Angebot hatten wir Scheibenwischer zerlegende Wolkenbrüche und Aquaplaning auf der Autobahn, nasse Füße und sengende Hitze, die mir einen satten Sonnebrand als optische Ergänzung zu meinem allergischen Hautausschlag beschert hat.







Ansonsten war der Tag geprägt von einem Besuch der CAC-Ausstellung des DWZRV: Spezialausstellung für alle Windhundrassen und mediterrane Rassen in Stendal. Erfahrene Ausstellungsteilnehmer waren bestens für die wechselhaften Wetterverhälntisse gewappnet und kamen mit Wurfzelten, Wohnmobilen und Gummistiefeln. Während Dörte Siegel und ihre Junghunde mit routinierter Gelassenheit Preise erwarben, nutzte ich die Gelegenheit, um Fotos zu schießen und Ausstellungsluft zu schnuppern. Ich habe unglaublich viele schöne Hunde bewundern dürfen und auch einiges gelernt. Natürlich habe ich sehr viele Fotos gemacht und leider kann ich sie nicht alle hier in meinem Blog zeigen, deswegen folgt hier nur eine kleine Auswahl.









Mein letzter Blogbeitrag hat für einige recht heftige Reaktionen bei Facebook geführt, doch da mein kleiner Blog seit Februar auf inzwischen fast 10.000 Hits kommt, nehme ich einfach mal an, dass es auch genügend Leser gibt, die Freude an Nellys Eingewöhnungsfotos haben, denn dafür habe ich sie schließlich gepostet. Was meine möglichen Zuchtpläne betrifft, so wird sich zeigen, ob es überhaupt eine Hündin in diesem Wurf geben wird und ob diese dann auch zuchttauglich ist - das wissen wir erst in ca. einem Jahr. Bis es dann überhaupt zu einem eigenen Wurf kommen kann, vergehen noch einmal mindestens 1,5 Jahre, wer weiß jetzt schon, was dann in etwa 3 Jahren unsere Realität ist? Deswegen bin ich schon etwas erstaunt, über den Lärm um ungelegte Eier, aber ich halte euch natürlich weiterhin sehr gern auf dem Laufenden.


Das Randowtal empfing uns mit Wolken und abendlichem Sonnenschein

Freitag, 26. Juni 2015

Guter Hoffnung



Ja, wir dürfen uns auf Welpen freuen! Der heutige Ultraschalltermin hat Nellys Trächtigkeit bestätigt und uns Hoffnung auf etwa sechs gesunde und kräftige Welpen für den Monatswechsel Juli/August gemacht. So ganz fassen kann ich es noch nicht, denn der kleinen Nelly ist die Schwangerschaft noch nicht anzusehen und bis auf dass ihr Appetit nachgelassen hat, benimmt sie sich auch nicht viel anders als die Tage zuvor. Für Nelly wird es im Gegensatz zu uns nicht der erste Wurf sein, also werde ich in den wichtigen Dingen ihrer Erfahrung vertrauen.






Innerhalb der nächsten vier Wochen haben wir auch noch genügend Zeit, uns gründlich auf das große Geburtsereignis und die nachfolgende Zeit der Welpenaufzucht vorzubereiten. Die Welpen werden übrigens mit Papieren des LWFD ausgestattet und können auf einen recht eindrucksvollen Stammbaum zurückblicken. Für mich ist allerdings das Schönste an diesem Geschenk, dass ich vielleicht sogar eine Tochter Nellys behalten kann, denn ich halte Nelly für die kleinste und typvollste Langhaar Whippethündin, die z.Z. in Deutschland lebt. So Gott nichts dagegen hat, wäre ich somit bereit, mich in das Gebiet der Hundezucht einzuarbeiten.

Der Vater des Wurfes ist Silken Fantasy Quite Right, mit dem Rufnamen Hobbit. Er ist ein wunderschöner, kleiner, sandfarbener Langhaar Whippet mit schwarzer Maske aus der Zucht von Anke Maar. Anke hat mir folgende Bilder zur Verfügung gestellt, die diesen ausdrucksstarken Rüden zeigen.






Und nun folgen ein paar Bilder, vor denen ich gleich warnen möchte: sie sind nichts für Menschen mit schwachen Nerven oder größeren Ängsten. Also Achtung! Und bitte beachtet, dass es sich hier um Fotos handelt. Diese spiegeln nicht die aktuelle Realität wider, sondern sollen einen Zustand zeigen, den wir irgendwann einmal erreichen wollen: der gemeinsame stressfreie und leinenlose Spaziergang mit Nelly.

Die Bilder zeigen also mein kleines Experiment, Nelly abzuleinen. Es verlief vielversprechend, das Experiment. Sie entfernte sich nicht weiter als die Windspiele, läuft meistens einen Schritt hinter mir, reagierte freudig auf Zuruf und behielt uns ständig im Auge. Natürlich waren das wenige Minuten im idealen Setting, also ohne Ablenkung, mit fest vorgegebener Wegführung und Sichtschutz zu beiden Seiten. Aber doch war es ein sehr schönes Erlebnis für mich: ich konnte sehen, was einmal möglich sein würde - und auch für Nelly war es schön: sie genoss es ganz sichtlich, ein vollwertiger Teil der Gruppe zu sein.

Von ihrem Verhalten her erinnert mich einiges an Maya, aber während Maya mir gerne voraus läuft, scheint Nelly lieber die Rückendeckung zu geben. Ansonsten sind beide Hündinnen mit einer großen Präsenz, aber auch Sensibilität ausgestattet. Sie denken mit, versuchen zu ergründen, was der Sinn einer Handlung oder einer Anweisung meinerseits zu sein scheint und sie lassen sich von den Windspielen nicht auf der Nase herumtanzen. Nun gut, Maya hat eine Schwäche für Karlchen, aber welches Wesen hat nicht so eine weiche Stelle?







Ansonsten bin ich einfach nur dankbar. Dankbar dafür, dass alles so ist, wie es ist. Alles darf so sein. Ach, einen Wunsch hätte ich doch: ich wüsste endlich gern, wogegen meine Haut so heftig allergisch reagiert. Leider kann ich dies erst testen, wenn ich symptomfrei bin und das bin ich ganz sichtbar offensichtlich nicht.


Mittwoch, 24. Juni 2015

Von Elfen und Kobolden



Der Sommer hat eine kurze Pause eingelegt in der Uckermark, wahrscheinlich sammelt er Kraft für die kommenden Ferienwochen. Meinen allergischen Symptomen tut jedenfalls nichts besser als ein Waldspaziergang ganz kurz nach dem Regen mit meinen Hunden. Es ist manchmal kaum zu fassen, dass es eine solche Idylle und einen solchen Reichtum an Düften, Geräuschen und Frische gibt. Wer nach den deprimierenden Medienberichten etwas auftanken möchte, dem empfehle ich einen Waldspaziergang! Wechselhaft und schwer vorhersehbar wie die Wetterverhältnisse gerade sind, konnte ich leider nicht vermeiden, dass sowohl meine Kamera als auch Nelly eine längere Regendusche aushalten mussten.






Glücklicherweise haben weder die Nikon noch Nelly mir dieses kleine Abenteuer übel genommen. Überhaupt ist Nelly eine sehr einfach zufrieden zu stellende und angenehme Gesellschafterin. Sie ist unaufdringlich, hält sich im Hintergrund und hat für die wilden Eskapaden der Windspiele meist nur ihr sanftes Lächeln übrig. Nur alleine sein, das mag sie gar nicht. Nelly passt wunderlicherweise im Gegensatz zu Karlchen durch jede Katzenklappe und ist auch sonst durch kein Hindernis davon abzuhalten, mir durch das Haus zu folgen. Verlasse ich sie doch einmal für eine kurze Zeit, dann freut sie sich überschwänglich (was Elfen nun einmal überschwänglich nennen) über meine Rückkehr. Also ein Schwanzwedeln und Entgegenrennen sind schon mal drin in unserer Beziehung.








Die Windspiele dagegen feiern jeden Tag mit derselben Hingabe und derselben Lebensenergie, die ich so an ihnen liebe. Auf meinen Spaziergängen oder bei längeren Autofahrten überlege ich schon manchmal, wie sich dieser einzigartige Charme in Worte fassen ließe. Vielleicht für potentielle Hundehalter, die mit dem Gedanken spielen, sich einen kleineren Hund anzuschaffen. Aber Windspiele scheinen sich mental in einem anderen Raum zu bewegen als andere Tiere, besonders, wenn zwei so eng verbunden sind wie Indy und Karly. Besonders ihre Sensibilität und ihre Sprunghaftigkeit und die Schnelligkeit ihrer Emotionen und Reaktionen begeistern mich immer wieder. Ich könnte mir vorstellen, dass wir Menschen ihnen so träge wie im Zeitlupentempo erscheinen.







Dazu besitzen Windspiele eine trickfilmgeeignete Mimik, die einen immer wieder an Characktere wie Sid, das Faultier oder Dobby, den Hauselfen erinnert und viel weniger an einen treuen Hund, das Haustier schlechthin. Besonders in Nellys Gegenwart steht ihre clowneske Art im Gegensatz zu Nellys stolzer Erhabenheit. Während die Windspiele tippeln oder sprinten, schwebt und fliegt Nelly und wenn die Spielchen sich in der Sonne räkeln, ruht die Prinzessin in aller Würde und Anmut. Doch ich bin mir sicher: ein paar Wochen länger in unserem Haus und auch Nelly wird etwas auftauen.







Zum Ende der Woche planen wir, mit Nelly zu einem Ultraschalltermin zu gehen. Nur wenige wissen, dass Nelly eigentlich gedeckt in unser Zuhause kam, da ich diese Information zum Schutzes Nellys während unserer Suche nach ihr nicht bekannt gegeben habe. Am Freitag werden wir also wissen, ob wir uns in ein paar Wochen auf kleine Welpen freuen dürfen!



Montag, 22. Juni 2015

Von Rosen und Windhunden



Im Randowtal ist es bewölkt, trotz kalendarischem Sommeranfang. Leichte Schauer wechseln sich gegenseitig ab, doch etwas Sonnenschein hatte bisher fast jeder Tag im Angebot, sodass wir zumindest einige Spaziergänge unternommen haben. Auch im Sinne von kulturellen Veranstaltungen hatte das Wochenende so einiges zu bieten. Nicht nur schwappte die Tradition des Fête de la Musique bis in die Uckermark, auch die Gärten der Uckermark hatten ganz traditionell ihre Tore für Besucher geöffnet. Wir entschieden uns dieses Jahr für den Internetgarten in Hetzdorf, der in seinem dreijährigen Bestehen zu einem wahren Meditationsort herangewachsen ist. Leider verpassten wir das Konzert der Band "Massala" mit afrikanischer Musik, doch dafür konnten wir uns am Duft und an der Farbenpracht der wunderschönen Rosen ganz ohne Trubel und in Stille erfreuen.


Springbrunnen im Garten 
Die Rosen schienen nach dem Regen besonders frisch

Der Duft, der den Garten umgibt, ist einmalig
Vor dem Pastorenhaus: das Konzert ist bereits vorbei

Das musikalische Erlebnis holten wir am folgenden Tag in der Zollchower Kirche nach, wo der Schlepkower Singkreis mit älterer und moderner Musik das Ohr erfreute. Typisch für die Uckermark, wurde nach dem Konzert noch Kaffee und Kuchen gereicht, doch Einzelgängerin, die ich bin, gab ich einem Eisbecher im Stradcafé Balu den Vorzug. Sehr zum Verdruss meines Helden - der wäre ganz sicher gern noch länger geblieben.


Die Kirche ind Zollchow

Eine gut erhaltene Kanzelei und schöne Fenster zieren das Bauwerk

Und auch hier wieder: Rosen

Und wie hat Nelly die letzten Tage überstanden? Ganz gut, würde ich sagen. Durch und durch Windhündin passt sie die Sonnenpausen ab, um ihre schlanken Beine elegant ins Randowtal zu bewegen, und dort scheint es ihr wirklich zu gefallen. Zumindest hat sie so einige Fleckchen Erde entdeckt, auf denen sie sich wohl genug fühlt, um sich niederzulassen und ihren Wohlgeruch zu steigern. Die beiden Mischlingsdamen Nina und Maya sind ihr noch nicht ganz geheuer, deswegen schirme ich Nelly vor deren Kontaktversuchen erst einmal ab, denn mit den beiden quirligen Windspielen hat sie auch so genug an Spieleaufforderungen, Kuschelversuchen und Lefzenlecken zu erdulden. Doch die meiste Zeit des Tages verbringt sie zurückgezogen, in ihrer Ecke - und ich lasse ihr diese Zeit und den Raum auch gern. Etwas ungewohnt ist es allerdings schon, neben all den vitalen und fröhlichen Junghunden, ein so ruhiges und abwartendes Exemplar im Haus zu haben.

Nelly gefällt das Randowtal
Die Windspiele albern rum
Nelly entspannt, aber Karlchen hat etwas vor
Nelly kann auch goofy

Im Haus selbst folgt sie mir recht gern - besonders gern in Richtung Küche und auch im Freien bewegt sie sich wie eine Feder an der Leine. Die Versuchung wäre groß, sie abzuleinen, aber ich bleibe hart. Über etwas wärmere Temperaturen und längere Regenpausen würden wir uns alle zusammen mit Nelly freuen, auch wenn die Wolkenfelder über der uckermärkischen Weite natürlich hervorragende Fotomotive abgeben und ich hier und da sogar einen Regenbogen entdecken konnte. Aber ich glaube, dass Nelly bei etwas mehr Sonne durchaus auch ein angenehmes Plätzchen im Garten für sich entdecken könnte und das wäre für ihre Erholung recht förderlich. Außerdem könnte sie von so einem Platz auch ungefährdet Nina und Maya beobachten und vielleicht sogar ihre Vorbehalte gegenüber großen schwarzen Hunden etwas abbauen. 




 


Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, dass das Abenteuer von Nellys Verschwinden erst einmal überstanden zu sein scheint und wir gemeinsam an einer wertschätzenden Wahrnehmung der einzelnen Rudelmitglieder arbeiten können. Und ja, ich verwende ganz bewusst und umgangssprachlich den Begriff Rudel für meine Hundegruppe, seit ich bei Günther Bloch gelesen habe, dass selbst bei Wölfen der Begriff Rudel nicht mehr verwendet wird, sondern von einer Wolfsgruppe die Rede sei. Nun, damit ist der Begriff Rudel also wieder frei für alle naiven Hundehalter wie mich!