Donnerstag, 30. Juli 2015

Etwas Alltag darf sein



Nachdem wir am gestrigen Tag so eng und intensiv mit Geburt und Tod konfrontiert wurden, überfiel heute alle menschlichen und tierischen Mitbewohner eine große Erschöpfung. Demnach war der heutige Tag der Wiederherstellung von einer gewissen Grundordnung und des Alltags gewidmet. So versorgten wir unsere Lebensräume, die Hunde und Katzen nahmen ebenfalls ihre Räume ein und versicherten sich gegenseitig ihrer Zugehörigkeit und Rangordnung. Ich selbst besann mich auf das Gefühl von Dankbarkeit für all die Gaben und Geschenke in meinem Leben: mein Zuhause, meine Familie, unsere Gesundheit und das Gefühl von Geborgenheit, das ich hier kennenlernen durfte.






Durch den Besuch einer lieben und erfahrenen Freundin gewann ich wieder mehr Zuversicht, was die Welpenversorgung und ihre Aufzucht betrifft. Dank ihres Tipps bekommt Nelly jetzt zusätzlich frische Rinderbrühe und Welpenmilch ans Wochenbett. Nelly verließ zum ersten Mal freiwillig ihre Kinder und ließ sich baden und auch kurz ausführen, um sich wieder frischen Wind und neue Gerüche um die Nase wehen zu lassen. Ansonsten gehören die Welpen erst einmal ganz der Mama, doch dadurch, dass die Wurfbox in meinem Zimmer steht, bin ich nah genug dabei, um ihnen beim Wachsen zuzusehen. Und das meine ich beinahe wörtlich, denn innerhalb von wenigen Stunden haben sie sich zu wahren Wonneproppen entwickelt, sind kräftig und vital und krabbeln bereits munter durch die Box. Da das Wetter es an sommerlichem Sonnenschein fehlen lässt, werden sie mit der Wärme einer Rotlichtlampe versorgt und genießen diese zusätzliche Wärmequelle sehr.







Ich möchte mich ganz herzlich für all die lieben Nachrichten und Wünsche bedanken! Nellys Ankunft in unserer Familie hat uns definitiv bereichert und bereits jetzt, nach wenigen Wochen viele wertvolle Erfahrungen beschert. Und wie man am unteren Bild erkennen kann, sind wir nach unserer neuen Zeitrechnung dem neuen Monat August ein ganzes Stück näher gekommen.



Mittwoch, 29. Juli 2015

Von Trauer und Glück




Es sagt wohl einiges über meinen Erschöpfungsgrad aus, dass ich, obwohl gerade neben einer müden, aber gesunden Nelly und drei wunderschönen Welpen sitzend nur an die beiden Babys denken kann, die uns heute schon wieder verlassen haben. Dabei fing alles so normal an.

Gestapelt: Snow, Sunny und Hope

Die Nacht über konnten weder Nelly und ich schlafen und schließlich gingen wir morgens gegen 4 Uhr unsere kleine Runde durchs Dorf. Zuhause angekommen, hatte es Nelly eilig wieder in ihre Wurfkiste zu kommen und die Senkwehen setzten ein. Um 8:12 Uhr war er dann da: der prächtige Erstgeborene Anthem of Storm, 263g schwer und gescheckt. Nelly nabelte ihn ab und nach ein paar Minuten begann er auch zu trinken. Der zweite Welpe ließ etwas auf sich warten, als er dann kam, war die Fruchtblase bereits geplatzt und das Fruchtwasser auch nicht mehr durchsichtig. Dieser Junge war auch leichter, 231g, doch ebenso wunderschön: eine blaue Extremschecke. Wir nannten ihn Anthem of Day. Da er viel schrie und nicht trinken wollte, machte ich mir Sorgen, aber etwas von Nellys Vormilch trank er doch von meinem Finger. Dass Nelly ihn etwas abseits hielt, wollte mir erst nicht bewusst werden, obwohl ich ihn mehrmals anlegte. Um 10:23 Uhr folgte das erste Mädchen: dunkel sandfarben mit einem goldenen Unterton. Sie wog stolze 261g und bekam den Namen Anthem of Sun. Was war ich glücklich! Mein Mädchen! Nach einer Pause folgte 11:31 Uhr der nächste Junge, Anthem of Snow, passend wieder eine Extremschecke mit 243g. Der nächste Welpe ließ wieder etwas auf sich warten, doch die Mühe lohnte sich: es kam ein silberfarbenes Mädchen, Anthem of Hope, mit 247g. 




Was dann folgte, werde ich nicht so schnell vergessen: während Nelly Hope abnabelte, kürzte sie auch die Nabelschnüre von Storm und Day und muss sie dabei verletzt haben. Ich bemerkte es, als ich Day anlegen wollte, denn Nelly hatte ihn wieder ins Abseits geschoben. Schnell fuhren wir mit den Beiden zur Tierärztin, aber diese konnte auch nichts mehr für Storm und Day tun, außer sie gehen zu lassen. Wir nahmen die leblosen Körper wieder mit zu Nelly, damit sie sich verabschieden konnte. 

Nun ist mein Herz ganz schwer und ich wage kaum, mir vorzustellen, wie es wohl Nelly gehen mag. Und doch ist so viel Lebenskraft in der Wurfkiste: drei gesunde, nimmersatte Welpen, die ohne Unterlass zu trinken scheinen. Ich bin mir sicher, dass sie viel Freude bringen werden, wenn der Schmerz und die Trauer etwas nachgelassen haben.



Dienstag, 28. Juli 2015

Von der Kunst nicht zu warten


Eine weitere alte Randowtaler Weisheit laut: "Gut Ding kennt keine Eile." 
Wir besinnen uns nun fast stündlich auf sie, sobald unsere Blicke erwartungsvoll in Nellys Richtung streifen wollen, um zu sehen, ob es nun soweit sei. Ob die Welpen denn alsbald geboren werden wollen, abgenabelt von Nelly persönlich, gewogen und gestillt, um ihren ersten Welpenschlaf außerhalb von Nellys Bauch angehen zu wollen. Momentan sieht es noch nicht danach aus. Zwar hat Nelly bereits länger anhaltende Übungswehen, aber noch scheint sich ihr Nachwuchs bestens innerhalb des mütterlichen Hundeleibes zu amüsieren. Jedenfalls sieht es von Außen betrachtet recht abenteuerlich aus, was im Inneren von Nellys Körper geschieht. Und Nelly steht unter Beobachtung. Nicht nur durch uns Menschen, von denen zumindest ich nicht mehr von ihrer Seite weiche, sondern auch von den anderen wird sie erwartungs- und rücksichtsvoll beschnüffelt und beäugt. Nelly schaut dann etwas hilflos zurück, so als wolle sie sagen: "Ich habe doch darauf jetzt auch keinen Einfluss mehr!" Das stimmt natürlich, denn es sind die Welpen, die den genauen Zeitpunkt bestimmen und es ist ja auch gerademal der Termin, also äugen wir eher unauffällig in Nellys Richtung.






Die großen Runden ins Randowtal werden von der werdenden Mutter nun nicht mehr bewältigt, doch über kleinere Runde freut sie sich jedesmal und genießt den frischen Wind um ihre zierliche Nase. Und vom Wind haben wir in den letzten Tagen reichlich. Der größte Sturm hat uns zwar verschont, aber die einzelnen Böen sind doch stark genug, um die Fahrradtouren beschwerlich zu gestalten und die Zeltplätze der Uckermark etwas auszudünnen. Das Sommerwetter kommt jedoch ganz sicher zurück, alles hat eben seine eigene Zeit und die gilt es zu genießen.







Der Genuss erfolgt bei unseren tierischen Mitbewohnern auf ganz unterschiedliche Weise. Durch die abgeernteten Stoppelfelder hat das Wild nicht nur seinen Sichtschutz verloren, sondern Nina und Maya auch eine sehr ungemütliche Laufunterlage, da die strohigen Enden ziemlich schmerzen können. Am liebsten laufen die beiden großen Hündinnen also nicht mehr über die Felder, sondern am Rad, wobei es durchaus möglich ist, dass Maya doch noch eine gewisse Freude am Ziehen entwickelt. Wer weiß, denn manchen Interessen entwickeln sich ja auch erst später im Leben. So auch der Jagdtrieb von Karlchen: einst waren ihm Hasen und Vögel völlig egal. Das hat sich jetzt geändert und er gerät in große Begeisterung, sobald Maya eine Spur entdeckt hat. Auch Indias Jagdruf durfte ich bereits in ihrem zarten Alter hören: allerdings war das noch bei uns im Garten und Maya mimte den entweichenden Hasen...


 




Damit erfolgt hier zum Abschluss mein Randowtaler Vorschlag zum wettergemäßen Julianischen Zeitmesser: die Anzahl der eingeweckten Liter an Aprikosen- und Johannisbeermarmelade. Wir stünden bei dieser Rechnung günstigerweise mit unseren 8 Litern gerademal bei Anfang und nicht Ende Juli. Wie praktisch!

Donnerstag, 23. Juli 2015

Der Countdown läuft...

Der uckermärkische Sommer wechselt seine Farben zu goldeneren Tönen, die Kindern naschen nun statt der Kirschen und Beeren Aprikosen und Schattenmorellen von den Bäumen und wir wären dann eigentlich bereit für den Welpenempfang von Nellys Nachwuchs. Dieser bewegt sich munter in ihrem ansehnlich gewachsenem Bauch und versichert uns damit immer wieder, dass er noch am Wachsen und Toben ist.

Auch Katzen und Hunde mögen Aprikosen
Peter jagt lieber Stare
Es wird geerntet

Wir indessen haben uns gut belesen, Nelly eine gemütliche Wurfbox gebaut und unser Haus und Grundstück in ein Welpensicheres Fort Knox umgewandelt. Wie es sich für eine Burg gehört, verfügt unser Heim nun über einen doppelten Zaun zur Straßenseite hin und finden sich an jeder Ecke Gitter und Zäune. Nicht nur ausbruchssicher, sondern auch wenig einladend für alle Besucher, die womöglich von den süßen kleinen Welpen angelockt werden könnten. India hat die Aufgabe übernommen, die Festung auf Herz und Nieren zu testen und nimmt ihre Verantwortung sehr ernst. Zumindest hat sie bereits Freundschaft mit dem Beagle unserer Nachbarn von Gegenüber geschlossen und die Nachbarn vom Ende der Straße beim Grillen überrascht. Aber solche Opfer sind wir gerne bereit zu bringen, denn schließlich planen wir eine möglichst freie Welpenaufzucht, um gut sozialisierte und souveräne Hunde in die große weite Welt zu entlassen.


Nelly gewöhnt sich in der Wurfbox ein
Die Abnahme der Wurfbox durch die Windspiele
Hilfe! Wir wollen rein! 
Nelly ist nun auch etwas breiter

Ansonsten genießen wir die Ferien, die auch in diesem Sommer durch die Veranstaltungen des durch den Gemeindeförderverein Randowtal e.V. organisierten Randowtaler Ferienpass voller unvergesslicher Erlebnisse zu werden versprechen. Unsere Kinder sind jedenfalls wie immer mit Feuereifer dabei und somit möchte ich den Veranstaltern meinen herzlichsten Dank aussprechen! 
Zudem bietet das Randowtal natürlich auch sonst einen wunderbaren, Kleinkind gerechten Sandstrand und Badesee in Lützlow, einen Hunde geeigneten Badesee bei Rollberg und zahlreiche sonnige oder schattige Sand- und Plattenwege zum wandern und radfahren. 
Selbst Nelly ist dem sanften Wind und dem frischen Grün des Randowtals inzwischen restlos verfallen und vollführt ein lustiges Freudentänzchen, sobald sie merkt, dass wir uns auf den Weg machen. Im Randowbruch angekommen, kann sie es kaum erwarten, den neuesten Hasenduft aufzutragen und verschiedene Gräser zu kosten. India und Nelly haben sich was Kräuter betrifft, inzwischen zu Expertinnen entwickelt, nur ich habe noch nicht herausgefunden, was sie denn da so schmackhaft finden.







Nellys Vertrauen zu mir ist inzwischen sehr gewachsen: bei Gefahr sucht sie meine Nähe, statt zu flüchten und auch sonst ist ihr der Körperkontakt sehr wichtig. Momentan bleibt sie ungern allein, aber ich hoffe, dass wir in der Zeit nach der Geburt auch diese Hürde noch gemeinsam meistern werden.




Samstag, 18. Juli 2015

Von Mehrhundehaltung und Integration


Seit einigen Wochen nun leben wir im 5er Rudel und es ist das erste Mal, dass der Neuzugang kein niedlicher kleiner Welpe, sondern eine erwachsene, trächtige Hündin mit ihren ganz eigenen Lebens- und Rudelerfahrungen ist. Wie gelingt so eine Zusammenführung mehrer Welten? Ist es Nelly, die sich ganz nach unseren Vorstellungen und Gewohnheiten anpassen muss, oder können auch wir etwas von Nelly übernehmen, verändert sich unsere kleine Welt durch ihre Ankunft? Das ist natürlich eine rhetorische Frage, und so berichte ich mal von den Veränderungen, die die gebürtige Amerikanerin zu uns gebracht hat.







Von Nellys zumindest innerhalb meines Rudels hervorstechender Leinenführigkeit habe ich ja bereits berichtet. Diese haben wir nun Gelegenheit, mindestens viermal täglich zu demonstrieren, denn dadurch, dass Nelly keinen Garten gewöhnt ist, nutzt sie diesen auch nicht so gern wie die anderen Hunde. Also patroulliere ich nun mit zwei bis fünf Hunden an der Leine regelmäßig durch unser kleines Dorf und versuche, vor allem India und Maya davon zu überzeugen, sich an Nellys gelassenem Verhalten ein Beispiel zu nehmen. Gar nicht so einfach, denn India mit ihren 7 Monaten strotzt nur so vor Selbstbewusstsein und läuft mit stolz erhobener Rute und provozierendem Gekläff an jedem Zaun vorbei, hinter dem sie einen Hund vermutet. Dabei ist es ihr egal, ob es sich um eine oder zwei mindestens 70kg schwere Deutsche Doggen handelt - India ist bereit, es mit jedem aufzunehmen. Was bin ich froh, dass dieses Löwenherz in einem kleinen Windspiel und nicht etwa in einem Akita Inu steckt, denn momentan ist mein Mantra auf Indys Verhalten bezogen: "Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase." Den Gedanken in meinem Hinterkopf, dass India sich zu einer ausgewachsenen kleinen Kläfferin entwickelt, begegne ich mit einem aus meiner Ansicht nach konsequentem Korrekturverhalten. Und ja, die Leinenführigkeit üben wir ja jetzt.






Maya hingegen ist etwas eifersüchtig auf die ständige Nähe von Nelly und mir, denn Nelly begleitet mich auf Schritt und Tritt durch das Haus. Wie alle Neuankömmlinge und der besonderen Zuwendung bedürfenden Haustiere darf auch Nelly in den "verbotenen Bereich", also die Küche, um da ihr spezielles Futter in Empfang zu nehmen. Auch schirme ich noch immer Nelly aufgrund ihrer Trächtigkeit vor Maya etwas ab, denn Nelly frisst am liebsten in Gesellschaft - oder besser gesagt mit Zuschauern - und ist sich auch nicht zu schade, sich bei den Portionen der anderen zu bedienen. Ein solches Verhalten lässt sich Maya selbstverständlich nicht bieten, aber auf eine Konfrontation möchte ich es nun gerade nicht ankommen lassen.
Nina gegenüber hat Nelly übrigens sehr wohl gezeigt, dass sie es versteht, sich durchzusetzen. Es hat genau zwei Versuche gebraucht, um unserer etwas aufdringlichen Retrieverdame zu erklären, dass sie sich solche Aufmerksamkeiten verbittet - nun schlafen beide sogar nebeneinander in einem Bett. Die nicht enden wollenden Zärtlichkeiten der Windspiele erfreuen Nelly dagegen inzwischen sogar, aber wer ist schon immun gegen diese ausgelassene Portion an Liebe und Freundlichkeit? Und so ist Nellys Grundstimmung wohl als zufriedene Gelassenheit zu bezeichnen, wobei ihre Aufmerksamkeit in erster Linie bei den Welpen in ihrem Bauch zu sein scheint, jedenfalls läuft sie recht verträumt durch das Randowtal und lässt sich nur selten von den Windspielen zu einem kleinen Sprint verführen.






Maya lässt sich in den kühleren Abendstunden schon auf ein Fangespiel mit India und Karlchen ein. Für mich ist es immer wieder ein unglaublich faszinierender Anblick, die recht große Hündin springen und laufen zu sehen, denn ob Absicht oder nicht, die Windspiele holen Maya nicht ein.
Passend zur Jahreszeit begleiten Nina und Maya uns am Rad oder auch mal ins Wasser, wobei sich lustigerweise beim "Anbaden" die gleiche Szene wie auch im letzten Jahr abspielte: sobald ich etwas weiter zur Seemitte herausschwamm, stürzte sich Maya wagemutig in die Fluten, und versuchte, nachdem sie mich paddelnd erreicht hatte, wieder in Richtung Ufer zu lenken. Beim zweiten Mal jedoch vertraute sie bereits meinen Schwimmkünsten etwas mehr und widmete sich lieber der Erforschung des den See umgebenden Schilfs.

Insofern ist unser kleines Rudel momentan eher zweigeteilt: die Amerikaner und die größeren Hündinnen Nina und Maya. Wir werden sehen, wie sich unser Zusammenleben nach der Geburt von Nellys Welpen entwickelt.






Allen Schulkindern und Lehrern wünschen wir übrigens einen guten Start in die Sommerferien! Wir jedenfalls haben vor, die unseren zu genießen. Und allen Muslimen ist ein schmackhaftes und bekömmliches Fastenbrechen gewünscht!