Montag, 30. November 2015

Nach dem Sturm



"Nach dem Sturm wird neu sortiert." So behaupten zumindest alteingesessene Randowtaler. Nachdem nun Sturm "Nils" die gestrige Nacht durch das Randowtal gefegt ist und einiges ziemlich durcheinander gewirbelt hat, weht jetzt hier ein frischer Wind, atmen wir eine andere Luft.







Nina jedenfalls hat die Ruhe des vergangenen Adventwochenendes genutzt und ist zu ihrer gesunden, wuselig-freudig-unruhigen Form zurückgekehrt. Nun haben wir wieder alle Hände voll zu tun, sie zu lenken und von allem möglichen (Un)sinn abzuhalten, aber wir tun es gerne und erfreuen uns sehr an ihrer liebevollen, herzlichen Art. Selbst Nelly lässt es sich nicht nehmen, regelmäßig quer durch die Randowtaler Schlammpfützen zu sprinten, um Nina zu erklären, wann sie sich zu weit von ihrem Rudel entfernt.



  



Überhaupt erweisen sich meine beiden Langhaar Whippet Ladys als sehr robust. Brauchen die beiden Windspiele regelmäßige Erinnerungen und vor allem Vorbilder, was die Einhaltung der Stubenreinheit auch bei ungemütlichem Wetter betrifft, so kann ich mich bereits jetzt auf Hope verlassen. Mäntel und Pullover werden vor allem bei Schnee und Nässe benötigt, wofür das seidige Deckhaar und die feine Unterwolle dann doch als Schutz nicht ausreichen. Dabei haaren Langhaar Whippets nur sehr wenig und ihre Haare sind so fein und weich, dass sie sich auch leicht beseitigen lassen und sich nicht wie dünne Nädelchen im Stoff festsetzen. Das einzige, was mich bisher überrascht hat, war die relative Bellfreudigkeit Nellys, die ich von anderen Windhundrassen so nicht kannte.






Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, die Sportlichkeit der beiden Damen zu testen, da Nelly ja trächtig zu uns gekommen ist. Ich freue mich bereits darauf, einmal eine längere Tour mit ihr und vielleicht sogar klein Hope zu laufen. Doch wenn ich die aktuellen Zeichen am uckermärkischen Himmel richtig deute, dann gilt auch hier -wie für alle Stürme des Lebens- nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Warten wir es ab.



Freitag, 27. November 2015

Wenn ein Hund trauert...


Das uckermärkische Wetter wechselt zwischen Schneeregen, feuchtkaltem Nebel und einfachem Nieselregen bei spätherbstlichen Temperaturen. Inzwischen hatten wir bereits unseren ersten Schnee und natürlich waren die Windspiele alles andere als begeistert, denn mit ihren zarten Pfoten und Ohren sind sie keineswegs für die Kälte geschaffen. 






Eigentlich wäre nun genau das richtige Wetter, um mit Nina und Maya etwas ausgiebiger durch die Wälder und Wiesen zu streifen, doch da Maya fehlt, hat nun keiner so richtige Lust auf solche Ausflüge. Die Stimmung im Haus ist gedrückt und besorgt. Am meisten verwirrt mich, dass ich selbst nicht zwischen berechtigter Alarmierung und unbegründeten Ängsten zu unterscheiden vermag. Ich vertraue nicht in meine eigene Urteilskraft und das ist kein guter Zustand für eine Mutter von zwei Kindern.  







Unsere größte Sorge gilt momentan Nina, der kleinen Retrieverhündin. Ihre Fußverletzung hätte bereits abheilen müssen und doch bewegt sie sich ungelenk und ungern, liegt viel lieber auf dem Sofa oder dem Boden und döst vor sich hin. Ein weiterer Besuch bei Tierarzt brachte noch eine Rippenprellung zutage, die uns vorher entgangen war, aber sonst scheint sie keine organischen Beschwerden zu haben. Also wird es die Trauer sein, die ihr den Antrieb und die Lebenskraft zu nehmen scheint. Von Welpenbeinen an war ihr Leben durch Mayas Persönlichkeit geprägt, die beiden hatten eine gemeinsame Sprache, einen gemeinsamen Tagesablauf und geteilte Verantwortungen entwickelt. Es sieht aus, als stünde Nina vor dem auseinandergefallenen Puzzle ihres Alltags, dem das wichtigste Puzzleteil fehlt: ihre Leithündin.






Trauer und Abschied brauchen ihre Zeit. Da gibt es nichts zu beschleunigen und auch nichts zu überspielen. Ein Hund, der viel Raum in unserem Leben eingenommen hat, kann eben auch nur ein großes Loch hinterlassen.



Dienstag, 24. November 2015

Hinterm Horizont geht's weiter...


Kurzzeitig sah es so aus, als würden die Hunde einfach so weiter leben wie bisher, während ich dem mir plötzlich ganz schnell erscheinenden Fluss des Lebens nicht mehr hinterher kam. So düsten und schnüffelten die kleinen Windhunde und Nina recht fröhlich über die Wiesen und ich schleppte mich ziemlich kraftlos die Wege entlang und versuchte, das Randowtal mit frischem Blick zu sehen.



 



 Denn was unterscheidet Liebe von Gewohnheit und Dankbarkeit? Der Schmerz in der Brust, als würde jemand an einem Band ziehen, das direkt zum Herzen führt, das ist die Trauer. Der besorgte Blick in den dunklen Garten mit der Frage im Hinterkopf: "Habe ich Maya schon reingelassen?" das ist die Gewohnheit. Und meine Sorge vor den Nächten, an denen ich ängstlich um die Ecken schaue, das ist das Vermissen von Mayas beruhigender Gegenwart, ihrer Präsenz und Stärke. Meine Wahrnehmung ist keineswegs so frisch und aufgeschlossen, wie sie "sein sollte". Sie ist gefärbt von meinen kurzen Jahren mit meinem Hund. Und ich lasse dies zu. Ich mag die Erinnerungen, wie Maya in ihrer Kudde liegt oder wie sie nachts noch einmal den Garten inspizieren will und mich mit ihren blauen Augen auffordert, die Terrassentür zu öffnen.


 
 


Beim näheren Hinsehen geht natürlich auch an den anderen Rudelmitgliedern Mayas Abschied nicht spurlos vorbei. Karlchen wirkt sehr erschöpft, wie er zusammengerollt auf dem Kissen schläft und das hat nicht nur mit den windspielfeindlichen kälteren Temperaturen zu tun. Seine empfindliche Haut bildet Schorf an den Ohrenenden und India pflegt ihn liebevoll und aufopfernd. Dabei hat sie selbst gerade mit hormonellen Überreaktionen zu schaffen, die die Nachwirkungen ihrer ersten Läufigkeit sind. Nina, die ja die meiste Zeit mit Maya verbracht hat, wirkt so ruhig, dass wir mit ihr zum Tierarzt gefahren sind, obwohl sie sich wahrscheinlich nur die Pfote beim Fahrradfahren  mit meinem Sohn leicht verletzt hat.






Sehr überrascht hat mich jedoch Nelly. Bei unseren gemeinsamen Spaziergängen hat sie ganz souverän und selbstverständlich die Aufgabe des "Rückholers" unserer unruhig durch die Gegend rennenden Nina übernommen. Ihre Entschlossenheit und ihre Geduld diesem wesentlich schwereren Hund gegenüber hat mich sehr beeindruckt und ich erhoffe mir, dass durch diese neue Verantwortung auch ihr Selbstbewusstsein weiter steigt. Sie hat sich zwar in den letzten Monaten zu einem kleinen weißen Wirbelwind entwickelt, doch ihre Ängstlichkeit Männern gegenüber muss sie noch häufig überwinden.





Ich selbst sehe meine größte Herausforderung in der nächsten Zeit vor allem darin, mein schmerzendes Herz möglichst weit für unsere kleine Hope offen zu halten. Die kleine Maus entwickelt sich ganz prächtig und ist mit so einer Liebenswürdigkeit und so großer Lebensfreude ausgestattet, dass es schade wäre, würde sie nicht jeden Augenblick gewürdigt, wahrgenommen und geliebt.


Sonntag, 22. November 2015

Over the rainbow...


Heute ist Totensonntag. Ein stiller, gesetzlicher Feiertag, an dem wir uns der Verstorbenen erinnern. Mir fällt es schwer, meine Gedanken auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf meine gemeinsame Erlebnisse mit meiner Hündin Maya. Denn Maya ist tot und das kam für uns alle sehr überraschend und plötzlich.



 



Den letzten gemeinsamen Morgen haben wir am Freitag zusammen mit Nina am Lützlower See verbracht, da warst Du, meine liebe Maya noch fit und ungeduldig wie an jedem Morgen. Am Nachmittag musste ich Dich zum Tierarzt bringen, da Du so stark gezittert hast, dass Du Dir mehrmals auf die Zunge gebissen hast. Die Ärzte diagnostizierten einen epileptischen Anfall und nachdem sie Dich sediert und Deinen Kreislauf stabilisiert hatten, durftest Du zu uns nach Hause. Die Nacht zu überleben, hast Du leider nicht geschafft, wir waren bei Dir, als Du Deinen Körper verlassen hast, aber du warst mit Deinen Sinnen schon längst in anderen Räumen. Wenn ich Deine Traumbewegungen richtig interpretiert habe, dann kann man an diesen Orten ganz ausgezeichnet rennen und jagen, etwas, das wir Dir hier nicht erlaubt haben.


 





Ich weiß, dass Deine ganze Leidenschaft der Verfolgung und dem Erlegen von Wild galt. Es tut mir sehr leid, dass ich Dir so ein Leben nicht ermöglichen konnte. Ich danke Dir, dass Du mir trotzdem so viel ermöglicht hast: meine Ängstlichkeit in nächtlichen Berliner Parkhäusern zu überwinden, das Randowtal zu erlaufen, mit Dir zusammen in uckermärkischen Seen zu schwimmen. Ich werde diese Erinnerungen hüten, sie sind mein Schatz, denn so eine freie Liebe wie Deine trifft man nicht alle Tage. Du warst nie ein Hund, der durch Leckerli zu motivieren war, für Wiederholungsübungen warst Du dir zu schade und wer Dir keinen Respekt zollte, dem konntest Du deutlich diesen Respekt bis zur Unterwürfigkeit abverlangen. Umso erfüllender war es für mich, Deine Liebe und Dein volles Vertrauen zu fühlen, eben weil ich wusste, die galten nicht jedem. Und ich spüre es auch jetzt: das große Geschenk, mein Leben ein Stück weit mit Dir gegangen zu sein.







Du warst ein großer, schöner Hund. Ich habe niemanden getroffen, den Deine Präsenz nicht beeindruckt hätte, aber die wenigsten haben Dich gesehen, wenn Du am schönsten warst: im vollen Lauf auf den weiten Wiesen der Uckermark. Du brauchtest immer ein paar Meter, um in Fahrt zu kommen, aber dann waren Deine Wendigkeit, die Leichtigkeit, die Schnelligkeit und Eleganz Deiner Bewegungen unübertroffen. Und das habe ich durch Dich gelernt: wir holen uns die schönsten und freiesten Geister der Hundewelt in unsere Zivilisation. Wer kann sich dem Charme eines Huskies, eines Barsois oder eines Ridgebacks schon entziehen? Aber dann denken wir, ein wenig Dogscooting oder Coursing würde unseren Hund auslasten. Ja, der Hund lebt mit uns, er ist auch körperlich ausgepowert, aber ist seine Seele auch frei und glücklich? Dein Lächeln hat mich immer glücklich gemacht und dafür danke ich Dir von ganzem Herzen, dass Du mir das Gefühl gegeben hast, ich mache meinen Job gut als Hundemama. 







"Someday I'll wish upon a star
And wake up where the clouds are far behind me.
Where troubles melt like lemon drops,
Way above the chimney tops,
That's where you'll find me."