Mittwoch, 30. Dezember 2015

Neues Jahr, neues Glück



Die letzten Tage brachten uns ganz überraschend doch noch viel Sonnenschein und Kälte, sodass das Randowtal so einige Spaziergänger anzog. Da auch nicht wenige Hundebesitzer dabei waren, konnte ich recht schnell feststellen, wie verwöhnt wir durch die Abgeschiedenheit unseres Dorfes eigentlich sind.







Wir laufen ja meist frei und ohne Leinenzwang durch die relative Einsamkeit und können uns ohne Unterbrechungen ganz dem Landschaftsgenuss hingeben. Nun begegneten wir anderen Hunden und Menschen, was für mich bedeutete, dass ich meine Truppe alle paar hundert Meter zu mir rufen und anleinen musste und auch feststellen konnte, dass besonders Hope noch ganz und gar ungeübt in Sachen Hundebegegnungen ist. Sobald die Kleine unbekannte (oder zugegebenermaßen bekannte) Hunde entdeckt, so kann sie sich nicht entscheiden, ob sie zuerst bellen oder doch lieber hinrennen soll. Auf jeden Fall erfüllt sie eine ganz unangemessene Aufregung, die mich in meinem Hinterkopf notieren ließ: "Nimm Hope öfter mal in die Stadt mit, auch wenn ihr beim Autofahren so schnell übel wird."






Überhaupt ist ja die Zeit kurz vor dem Jahreswechsel für viele ein guter Anlass für neue Vorsätze - eine Angewohnheit, die ich noch nie ganz nachvollziehen konnte, denn der Mensch ist schließlich kein Betrieb, der eine Jahresabschlussbilanz und einen Plan für das nächste Jahr bräuchte. Hope jedenfalls ist inzwischen 5 Monate alt, fast so groß wie ihre Mama und macht India in ihrer Rudelstellung etwas unsicher. Das äußert sich in erster Linie darin, dass Indy versucht, nicht nur auf Hope und Karlchen, sondern auch auf den Katzen aufzureiten, um ihre Dominanz zu unterstreichen. Dies ist ein unglaublich absurder Anblick, der uns unpassenderweise und völlig unpädagogisch zum Lachen bringt, aber hoffentlich auch nur eine kurze Phase in der Rudelentwicklung. 





Unter den  Katzen dagegen herrscht Harmonie pur: nach den Verlusten des vergangenen Jahres hat the new generation zu einem sehr schönen Zusammenleben gefunden, das mir viel Freude macht. Anton, Cleo und Astrid spielen, schmusen, klettern und fressen Seite an Seite, ohne auf ihre individuellen Abenteuer zu verzichten. Nun bleibt nur zu hoffen, dass sie uns auch mit einem langen Katzenleben erfreuen können.





Nicht nur neue Vorsätze gehören zur Silvestertradtion, sondern auch der Brauch, alte Geister durch viel Lärm zu verjagen, um auf diese Art Raum für Neues schaffen. Eine Art seelische und atmosphärische Reinigung ist natürlich immer eine gute Idee, allerdings erinnert die heutige Form der Silvesterböllerei eher an Straßenschlachten, die bereits Tage vor dem Jahreswechsel beginnen. Nun gibt es auch in Deutschland zwar bereits Städte, in denen die Silvesterknallerei verboten ist, aber doch kommen die meisten erwähnten Besucher des Randowtals nicht hierher, um unsere historische, alte Autobahn zu bewundern, sondern befinden sich mit ihren Hunden vor allem auf der Flucht vor dem Lärm.





Wer einen ängstlichen Hund hat und es nicht mehr in die schöne stille Uckermark schaffen sollte, der kann es mit einem Sicherheit spendenden Karma-Wrap versuchen. Etwas ähnliches kann man mit einem langen Tuch auch selbst improvisieren, indem das Tuch mehrmals über den Oberkörper des Hundes gekreuzt gebunden wird. 

Wem der Jahreswechsel übrigens nicht genügend Anlass bietet, um den Abend festlich begehen zu wollen, der kann sich auch überlegen, ob er nicht die Beschneidung des Herrn feiern mag, denn diese fand genau 8 Tage nach seiner Geburt statt. Auf alle Fälle wünschen wir euch einen gelungenen Start ins Jahr 2016!


Freitag, 25. Dezember 2015

Jesus hat Geburtstag



Das war sie nun: die heilige Nacht 2015 - zwei Tage nach der Wintersonnenwende, eine sehr klare Nacht im Randowtal und sehr hell, denn der Vollmond beleuchtete unsere Hügel. Wir haben alle Jesus 2015. Geburtstag gefeiert, des langerwarteten Friedensbringers und Propheten.







Dieser im Alten Testament bereits angekündigte Messias brachte auch das Ende des dort vertretenen Prinzips der Vergeltung. Selbst wenn dieses Prinzip selbst schon ein Fortschritt zur bis dahin praktizierten Rache war, so brachte Jesus die Einsicht, dass auch mit Vergeltung kein langfristiger und wirklicher Frieden möglich sei. Vor allem kein innerer Frieden und um den geht es doch letzten Endes jedem von uns. Und so gedenken und feiern wir seit über 1000 Jahren die Geburt eines unschuldigen Kindes, das als erwachsener Mann alles Leid auf sich und alle Schuld vom Menschen nahm, um eben jedem Menschen diesen Frieden zu geben, den inneren.







In erster Linie das Bewusstsein dafür, dass wir wirklich rein sind, dass auch dem Täter verziehen ist, denn wir sind schließlich alle Täter. Niemandem wird es gelingen, durchs Leben zu gehen, ohne ein anderes Lebewesen zu verletzen oder zu töten. Und selbst diejenigen unter uns, die es in voller Absicht tun, tun es, weil sie es nicht besser können. Sie wissen nicht wirklich, was sie tun. Und Mitgefühl mit diesen armen Menschen ist der einzige Weg, die einzige Heilung, Liebe die einzig wahre Macht. Soweit zur 1000 Jahre alten Predigt in unseren Kulturkreisen. In der Praxis haben wir ein Rechtssystem, das auf dem Prinzip der Vergeltung aufbaut und auch eine Außenpolitik, die mit Gewalt versucht, ihre Interessen durchzusetzen.


 



Das zeigt nicht nur, dass das Leben des christlichen Prinzips des inneren Friedens nicht ganz einfach ist, es zeigt auch, dass es nach so vielen Jahrhunderten nicht verinnerlicht wurde. Ein jeder Jude, Moslem, Christ oder Hindu müsste sich eigentlich jedesmal, wenn er sich auf eine solch intensive, gewalttätige Kontaktaufnahme mit anderen einlässt fragen: "Bin ich bereit für diese Art intensive Beziehung?" Denn Opfer und Täter sind über mehrere Generationen miteinander verbunden. Sie tauschen Rollen und und sie binden ihre Schicksale aneinander. Das wissen wir nicht nur aus den überbrachten, uns heiligen, Schriften, sondern seitdem mehrere Generationen lesen und schreiben können, auch aus der modernen Geschichtsschreibung und Presse. Syrien und das Schicksal der Syrer gehen uns nun wirklich an.









Da wir nun fast alle nicht nur des Lesens mächtig, sondern auch Zugang zum Internet haben, können wir sogar ganz unmittelbar von Erfahrungen Menschen ganz anderer Kulturkreise profitieren. Verloren haben wir durch diese enge Art des globalen Miteinanders aber auch die Gnade der Ruhe, des Nichtwissens. Eine bewusstere Kultur der Verantwortung: Was ist Übergriffigkeit und was ist Hilfeleistung? wäre hilfreich, sobald wir uns auf die Auseinandersetzung mit den Leben anderer einlassen. Aber vor allem das christliche Prinzip des inneren Friedens als oberste Pflicht sich selbst und anderen gegenüber!  Das Interesse am Anderen kann zu großer Schönheit, Begegnung und Wachstum führen, wenn es nicht vom eigenen Leben und den eigenen Verantwortlichkeiten ablenkt.






 

Vor ein paar Tagen haben wir die aus Spanien stammende Galga Lusitana kennenlernen dürfen. Lusi wurde von spanischen Tierschützern aus sehr schlechten Verhältnissen befreit und lebt nun auf einer Pflegestelle in Brandenburg, wo sie auf das Leben in einer deutschen Familie vorbereitet wird. Lusis Körper ist voller Narben und in ihren Augen sehr viel Angst, aber auch Liebe und Vertrauen zu ihrer Pflegemama. So viel Liebe, Arbeit und Geduld wird von Menschen investiert, um ein Hundeleben schöner zu machen! Und das, obwohl tausende andere Hunde in derselben Lage sterben müssen, jedes Jahr und immer wieder. Aber das ist das christliche Prinzip! Und ja, so langsam ändert sich auch etwas mehr, als das Leben weniger einzenler Hunde. Nämlich das öffentliche Bewusstsein. Die Hunde der Rennindustrie, die Galgos aus Spanien, die verkrüppelten Tiere der Massentierhaltung bekommen eine Lobby, eine Stimme und einen Platz in unserer bewussten Wahrnehmung Welt.






Wir lernen, dass es keine schnelle Lösungen gibt, sobald die Zusammenhänge komplex und die Zustände historisch gewachsen sind. Es braucht Geduld und auch Mut hinzusehen und auszuhalten. Darin gleicht sich der Prozess des sozialen Wandels den Prozessen der inneren Veränderung. Auch bei unserer Entwicklung von Kindern zu Erwachsenen, die ihre Kraft aus sich selbst ziehen können, lernen wir das Aushalten, das Hinsehen auch wenn es schmerzt. Und auch das ist eine christliche Botschaft: wir selbst müssen uns ändern, nicht die anderen.






Doch Änderung passiert, ständig und überall. Zum Beispiel bei meiner kleinen Nelly. Weit entfernt davon, die zurückhaltende Lady zu sein, als die sie in ihrer Ängstlichkeit erschien, lebt nun ein lustiger weißer Wirbelwind in unserer Mitte. Weder scheut sie Matsch noch geht sie einer wilden Toberunde aus dem Wege. Im Freilauf behält sie mich bei aller Flitzerei sehr gut im Auge und ist sehr verlässlich im Rückruf. Fast möchte ich vermuten, dass sich ein wahrer Musterhund in der kleinen Fellnase versteckt hält, aber wir lassen uns überraschen.







Auch India hat bereits ihren ersten Geburtstag bei uns gefeiert. Ihre Ankunft gab vor fast einem Jahr den Anlass dazu, diesen Blog zu beginnen. Ihr Aufwachsen war weit weniger spektakulär als es vielleicht manch ein Neuwelpenbesitzer vermuten mag. Wirklich aufregende Abenteuer hat India hier bei uns wohl nicht erlebt, dazu wurde sie zu sehr beschützt und begleitet von ihrem Karlchen. Ich selbst kann nur sagen: sie hat sich zu meinem Traumwindspiel entwickelt. Ich mag ihre ausdrucksstarke Mimik, ihren charismatischen Charakter, ihren Mut, die Farbe ihres Fells und ihrer Augen, jeden ihrer kurzen Kläffer und ganz besonders ihre einfach unnachahmliche Art zu zwinkern. Und da wären wir wieder bei der Liebe, als das einfache, erwartungsfreie Wahrnehmen dessen, was ist.





Ich wünsche allen ein frohes Fest und eine besinnlich verbrachte Zeit der Liebe und Familie. Und denkt daran: wenn ihr euren Lieben wirklich ein gutes Geschenk machen wollt: lasst sie einfach mal Recht haben. Seid gesegnet!