Sonntag, 27. März 2016

Was sonst noch passierte: Frühlingsstimmung im Januar


Nina und ich haben heute den Frühling eingeläutet, indem wir unsere erste Radtour in diesem Jahr zum Lützlower See gewagt haben. Wieder ein "First" in unserer gemeinsamen Zeitrechnung "nach Maya". Und so blieben die Erinnerungen und Vergleiche nicht aus, was dem Erlebnis jedoch keinen Abbruch tat.






Nina läuft wirklich hervorragend konzentriert und sicher neben dem Rad, lässt sich weder ablenken noch vom Tempo her beeinflussen. Zwar sahen wir beide aufgrund unserer derzeit mangelnden Kondition eher wie Pittiplatsch mit seinem schwarzen Teddybär als wie eine gestandene Uckermärkerin mit ihrem sportlichen Retriever aus, aber das Bild vom unerschrockenen Retriever hätte sowieso spätestens am Lützlower See Risse bekommen, nachdem klar wurde, dass mein durstiger Labbimix sich nicht an das Wasser, geschweige denn hinein traute.






Und durstig war die kleine Nina schon, denn der Wettergott war uns gnädig und hat uns einen Tag voller Sonnenschein geschenkt. Und für diejenigen, die denken, ich würde mit meinen Randbemerkungen über Gummistiefel und uckermärkischen Schlamm übertreiben, ist dieser kleine fotografische Rückblick in den Januar/Februar gedacht, der ein paar Eindrücke vermitteln soll, von den wechselhaften Witterungsbedingungen in diesem Winter. Dieser war nämlich wirklich milde, aber nicht weniger beschwerlich, als es ein Winter voller Eis und Schnee gewesen wäre.





Kaum taute das Eis, verwandelte es das feuchte Randowtal nämlich in einen größeren Sumpf, sodass wir uns eigentlich nur auf den Plattenwegen aufhalten konnten. Um das Tal etwas auszutrockenen, waren mehrere, aufeinanderfolgende Tage von starkem Wind und absoluter Trockenheit nötig, was natürlich bedeutete, dass der Wind sich schnell zu einem Sturm entwickeln konnte und aus den Windspielen kleine Sturmhunde machte.






Auch war das Wetter extrem wechselhaft, was die Möglichkeit von ausgedehnten Spaziergängen stark einschränkte, denn die Sonne schien an manchen Tagen gerade einmal 7 Stunden. Dabei konnten effektiv vielleicht 1-2 Stunden genutzt werden, denn häufig genug wurden wir vom Regen überrascht. Sooft es ging, drehten wir dennoch unsere Runden im Tal und wurden durch beeindruckende Naturschauspiele belohnt. Nicht nur sind Gewitterwolken von einem gewissen Abstand betrachtet, ein ganz wunderbarer Anblick, sondern auch das schräg einfallenden Winterlich gibt der sich wenig verändernden Vegetation im Ruhemodus immer wieder neue Konturen.






Ich habe in dieser Zeit öfters Fotos von denselben Bäumen und Sträuchern gemacht und war immer wieder überrascht von den Auswirkungen, die das Licht auf unsere Wahrnehmung hat. Schwarze Wege wirken je nach Tageszeit und Witterungsverhältnissen mal dunkelblau, mal braun und selbst die Größenverhältnisse und räumlichen Abstände scheinen sich täglich zu ändern. 







Da wir in dieser Zeit noch ohne die "Italiener" waren, haben sich durch die relative Wetterfestigkeit der "Amerikaner" doch einige sehr schöne Spaziergänge ergeben. Ich bin sehr dankbar für meine mir inzwischen gar nicht mehr klobig erscheinenden Kamera, da durch sie eine ganz andere Art von Rückblick ermöglicht wird als durch die rein kognitive Erinnerung. Durch den Anblick der Fotos werden teils längst vergrabene Bilder wieder aktiviert, teils entstehen ganz neue Eindrücke und Bewertungen.






Menschen haben ja schon öfters festgestellt, dass die Erinnerung das Erlebte zu einer meist positiven Geschichte "zusammenreimt". Es muss schon einiges an Vorgeschichte und an unverarbeitetem aktuellen Schmerz vorhanden sein, um eine Geschichte zu einer dauerhaft "negativen" zu formen. Da eine Geschichte, also jede Erinnerung, die aktuelle Wahrnehmung durchläuft (Im wachen und reinen Hier und Jetzt gäbe es also so eine Erinnerungsgeschichte nicht.) wird die Erinnerung jedesmal emotional neu eingefärbt. Bei älteren und mit anderen Menschen geteilten Geschichten wird es interessant, weil der Anblick eines Fotos dann praktisch mit bereits fertiger Interpretation erfolgt.  







Wenn ich mir also heute diese Winterbilder anschaue, dann tue ich dies aus meinem schönen warmen und sonnigen Zustand heraus und bewerte so einige Anblicke -wie beispielsweise die meiner verschmutzten Gummistiefel- als so positiv, dass ich sie in diesen Blogbeitrag mit aufnehme. Ich fände es spannend, wie Menschen solche Fotos wahrnehmen, die beispielsweise einen kurzen Uckermarkaufenthalt planen und wissen, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Regenwetter erwartet.






Ich jedenfalls freue mich auf den bevorstehenden Wechsel der Jahreszeiten. Die Farbexplosionen, das Wasserglitzern, die langen Sommertage und klaren Nächte sind genau mein Wohlfühlbereich und so ist der Frühling für mich durchaus eine Jahreszeit der Hoffnung und des inneren Luftholens, nicht nur symbolisch, sondern eben ganz konkret. Es fällt mir nun leichter, Pläne zu schmieden und Lösungen zu finden, alten Schmerz zu verarbeiten und aufgeschobene Arbeiten zu erledigen.






Ich vermute, dass dies nicht nur an der zusätzlichen Energie des Sonnenlichts liegt, sondern eben auch an den wesentlich intensiveren Außenreizen, die eine Natur im Aufbruch bietet. Ich frage mich auch, inwiefern unsere Körper in diesem Wechsel der Jahreszeiten und der Frühlingsgefühle der Tierwelt noch "mitzieht", wo sich doch eigentlich der menschliche Sexualzyklus von den Jahreszeiten getrennt bewegt.






In meiner heutigen Erinnerung jedenfalls gab es in diesem Winter sowohl Tage, an denen ich entgegen jeder Ratio hoffte, der Frühling würde bald kommen und die sich zaghaft entwickelnden Baumknospen als Boten eines verfrühten Jahreszeitenwechsels betrachtete - als auch Zeiten, in denen ich mich nach einer Zivilisation jenseits des uckermärkischen Schlammes sehnte. Erlebnisse, in denen meine Randowtaler Fellnasen Artgenossen und Asphalt unter den zarten Pfoten genießen durften, gab es dennoch wenige. Doch dort, wo solche Begegnungen stattfanden, war ich immer wieder überrascht, wie sittlich sich meine "Dorfköter" auch mit stärkeren Außenreizen auseinandersetzen können.






Momentan scheint jedenfalls die Sonne und nun möchte ich alle dazu einladen, diese Tage zu genießen. Denn ganz abgesehen von den Ostergeschenken, die wir uns gegenseitig machen ist natürlich jeder Tag ein Geschenk an uns und unsere Tiere sind hervorragende Lehrer, was den täglichen Genuss dieses Wunders angeht. Nehmen wir uns an ihnen ein Beispiel!