Donnerstag, 30. Juni 2016

Vom Meer, Strand und Wind(hunden)


Irgendwie scheinen sie zusammen zu gehören: das Meer, der Sand und die Windhunde. Mag sein, dass es daran liegt, dass die Sicht in die Weite geht und dass das wie auf Bestellung am Wegesrand des Randowtals grasende Wild abkömmlich ist: für mich bedeuten Strand, Weite und Windhunde Entspannung pur.






Und so ließ ich mich nicht zweimal bitten, als der DLWC zum Standspaziergang nach St. Peter Ording rief: allerdings war dies außerhalb der Saison im schönen Monat April. Aktuell mag die Ableinbarkeit von Windhunden nicht wahrscheinlicher sein als bei uns in der Uckermark, wo sich die Hundebesitzer sozusagen die die Klinke (der Autotür) reichen, um ihren Lieblingen etwas Schnuppergebiet und Freilauf zu ermöglichen. 







Der endlos scheinende Strand, der Sand und der starke Wind erinnerten auch ein wenig an die Wüste und ließen in mir die Sehnsucht nach einem größeren Windhund wieder erwachen. Das mag auch ein wenig damit zu tun haben, dass zur selben Zeit gerade zwei ganz wunderbare Würfe aktuell waren: zum einen der A-Wurf der Daba Safi Salukis und der F2 Barsoi Wurf von Klingsor's. Letztenendes ist bekanntlich die kleine FaraDiba von Klingsor's bei uns eingezogen, aber die Salukis werden immer einen festen Platz in meinem Herzen behalten. Nicht umsonst handelt es sich um die wahrscheinlich älteste Hunderasse der Menschheit.





Was die Barsois betrifft, so schwärme ich von dieser Rasse bereits seit vielen Jahren, doch ist die Aufzucht und die Auslastung eines so großen Hundes eigentlich nicht wirklich etwas für Anfänger. Nicht nur dauert die Wachstums- und Reifungssphase bei diesen Hunden wesentlich länger als bei anderen Rassen, sondern neigen sie eben auch zu einem gewissen Sturkopf (nett als Eigenständigkeit umschrieben) und Sensibilität (Verwöhntheit und Wehleidigkeit bei einigen). Unsere kleine FaraDiba ist ganz Prinzessin und ohne ihr diesen Status absprechen zu wollen, so sind wir doch genügend windhunderfahren, um ein gewisses Bewusstsein für Konsequenz und Struktur erworben zu haben. Sonst wäre es uns kaum möglich, mehreren Prinzessinen gleichzeitig dienen zu können.







Dass Windhunde anders sind, können selbst erfahrene Hundehalter immer wieder feststellen. Wie anders jedoch, ist im Einzelfall dann doch wirklich erstaunlich. Erst letzte Woche hatte meine kleine Hope eine Begegnung mit einer ihr bisher ganz unbekannten Spezies: einem Goldendoodle. Nun wissen die meisten Hundehalter, das Retriever ein wenig zum Überschwang neigen und bei anderen Hunderassen als leicht aufdringlich gelten in ihrer Fröhlichkeit, Naivität und Liebe. Und eigentlich ist Hope ja nicht ganz unerfahren, was Retriever betrifft: sie mag zwar ihr Näschen rümpfen, wenn Nina sich aus ihrer Sicht mal wieder "daneben" benimmt, aber ganz unbekannt ist ihr das ganze Gehabe dann doch nicht. Doch kaum befand sich Hope auf dem Territorium dieses unbekannten, absolut freundlichen und sozial kompetenten Retrievers, benahm sie sich eher wie eine Katze mit dem einzigen Gedanken: "Wie komme ich aus dieser verdammten Falle bloß wieder heraus?"






Ganz anders verhält sich Hope in der Gesellschaft von Windhunden. Zwar mag sie auch hier keine Draufgänger und "Hier komme ich!"-Vertreter, aber es ist schon deutlich fühlbar, dass die Sprache und der Hintergrund ein ganz ähnlicher ist. Es gibt demnach nicht nur körperlich-medizinische Besonderheiten zu beachten, sollte man sich für so einen "eleganten" Windhund interessieren, sondern eben auch kulturelle. Nicht umsonst spricht man von "Windhundmenschen" (meist sind es auch solche, die sich auch ganz wunderbar mit Katzen verstehen).






Natürlich ist es durchaus möglich, dass frau an einen Windhund gerät, der mit Freude apportiert - genauso, wie ich nun schon zwei Windspiele kenne, die die Begleithundprüfung bestanden haben. Fakt allerdings ist: all die anderen Windspiele haben keine BHP und werden deren Besitzer diese wohl auch kaum anstreben. Wer ein Leben lang Boxer oder Retriever hatte, wird sich bei seinem ersten Whippet umstellen müssen, was an sich ja keine schlechte Sache ist. Doch es gibt eben auch "Hundemenschen", die mit einem Windhund dann eben doch nicht warm werden. Und irgendwo haben sie natürlich auch Recht: was will man mit einem Hund, der zuhause Deko ist und den man im Freien nicht ableinen kann, der sich noch nicht einmal für das Frauchen und ihre Leckerlis interessiert? Das Gefühl mag so ähnlich sein, als würde man seinen Goldfisch Gassi führen!






Und so ist es nicht verwunderlich, dass Windhundmenschen dann meist mindestens zwei Windhunde besitzen, denn wer die anmutigen Bewegungen und die einzigartige Mimik und Körpersprache dieser Elfenwesen einmal lieben lernt, der beobachtet sie auch gerne in Interaktion. Und da wären wir wieder bei einem unserer Lieblingsthemen: dem Freilauf. Ja, für ein glückliches Windhundleben und ein erfülltes Windhundmenschdasein ist dieser absolut notwendig. Deswegen ist das Urlaubsland eines deutschen Windhundbesitzers auch meist das schöne Dänemark mit seinen Ferienhäusern, Stränden und dem Wind am Meer.






Bis zu unserem ersten Dänemarkbericht wird wohl noch eine Weile vergehen, denn wie schon oft beschrieben, können unsere Windspiele und Flusen auch den Freilauf in der schönen Uckermark genießen und bis unser kleines Barsoimädchen über das Randowtaler Gras blicken kann, werden noch einige Monate ins uckermärkische Land fließen. Momentan genügt ihr vollends der Freilauf im heimischen Garten und gallopiert sie -mehr an ein neugeborenes Kalb als an einen Windhund erinnernd- hinter ihren Freunden Nelly, Hope und Panda hinterher, um sich dann wieder im Babyschlaf ihrem Wachstum zu widmen.






So unterscheidet sich FaraDiba derzeit nur ein äußerlich von den Windspielen: auch sie schläft unter der Decke, liegt und sitzt gerne erhöht -also auf dem Sofa- und mag ihr Futter gerne frisch und abwechslungsreich. Sie scheut Regen und Wind und von einem wetterfesten Wolfsjäger ist noch rein gar nichts zu spüren. 






Doch werden wir nun wohl in den nächsten Jahren öfters die Küste besuchen, natürlich außerhalb der Saison und im Hundeauslaufgebiet - denn was gibt es Schöneres, als einen Windhund im freien Lauf zu beobachten, so mitten im Sand, im Wind und am Meer?

Freitag, 24. Juni 2016

Was sonst noch passierte: Eine Italienerin in der Uckermark



Während die Aktionen unserer Hunde sich momentan auf einen frühen Morgen- und einen späten Abendspaziergang zum kühlen See beschränken, ist in der Uckermark die geschäftige Tourismussaison ausgebrochen. Überall begegnen wir nun Sonne, Landluft und Ruhe suchenden Großstädtern. Was für eine Umstellung für uns! Die Hunde müssen angeleint werden, die Badeanzüge auf Zünftigkeit überprüft und das Auto abgeschlossen.







Durch die Wechselhaftigkeit des Wetters finden natürlich auch wir unsere Ruheplätze und eine Landflucht unsererseits ist völlig ausgeschlossen. Innerhalb weniger Tage verwandelt sich unser Garten in einen Distel- und Brennesseldominierten Urwald und auch die ersten Früchte: Himbeeren, Erdbeeren, rote Johannisbeeren, Stachelbeeren und Kirschen wollen nun geerntet und teilweise ihre Transformation in unsere selbstgemachte uckermärkische Frühstücksmarmelade erleben. Fluchtzeiten, das sind für uns so eigentlich die Winterwochen, wenn es bei uns -wie bereits ausführlich beschrieben- nass, neblig, kalt und grau ist.






Wie beispielsweise Anfang Februar, als wir eine Kurzreise in den Süden Italiens unternahmen, um dort unsere kleine Flo abzuholen. Flo wurde uns von IG Rescue vermittelt, ein Verein von Valeria Lupavaro, die sich als Windspielzüchterin und -liebhaberin ganz besonders für den Tierschutz einsetzt. Flo stammt ursprünglich aus Russland, kam als Welpe nach Italien und hat dort nicht viel kennenlernen dürfen als einen kleinen Balkon. Hier, bei uns auf dem Lande sind die Ansprüche an einen kleinen Hund nicht so groß und so entschlossen wir uns, Flo einen langsamen Einstieg in die Welt der Sofas, des Rasens und des zuverlässigen menschlichen Kontakts zu ermöglichen. 






Ganz abgesehen von der sprichwörtlichen Schönheit und klimatischen Sanftheit des italienischen Klimas können wir Italien als Reiseland für Hundebesitzer nur weiterempfehlen. Keines der Hotels hatte bei Nachfrage Probleme mit einem mitreisenden Hund, in Restaurants und auch in der Öffentlichkeit war Flo ein gern gesehener und zur Kontaktaufnahme einladender Hund. Obwohl Flo etwas hyperaktiv auf all die ausgerufenen Kosenamen, Leckerlis und Streicheleinheiten reagierte, bekam sie ausschließlich Lobpreisungen und gute Worte. Selbst für den Mietwagen mussten wir (anders als in Deutschland) keinen Aufpreis zahlen und war die Mitführung eines Hundes kein Thema. 






Für den Flug gilt es zu beachten, dass die Fluggesellschaften Easyjet und Ryan Air keine Haustiere befördern. Für die meisten anderen Linien gibt es unterschiedliche Bedingungen. Wir haben die Erfahrung von ausnehmender Kulanz und Freundlichkeit bei der Mitführung unserer 3kg Hündin machen dürfen. So wurde der Flug zu keinem allzu großen Stressfaktor. 






Umso mehr schockiert wurde Flo dafür von unserem uckermärkischen Winter. Ungläubige Blicke erntete ich, sobald unser Rudel sich auf einen Spaziergang durch das verschlammte Randowtal machte, oder ich ihr anbot, ihre "Geschäfte" im nassen Gras zu erledigen. Inzwischen ist die Uckermark freundlicher zu unserer Italienerin: die Sonne scheint auf ihr immer glänzenderes Fell und auch das Gras piekst sie nicht mehr an ihren empfindlichen Pfötchen. Und so erfreuen wir uns an unserer tapferen Flo, die heldenhaft und selbständig ihre Runden über das Grundstück dreht und auch ihre Zähnchen tapfer in die gesunde Kost der Randowtaler Fellnasen schlägt.