Donnerstag, 14. Juli 2016

Blumensträuße am Wegesrand


Für uns Uckermärker behielt die Siebenschläferregel in diesem Jahr Recht und so erfreuen wir uns an einem ausgesprochen wechselhaften und launischen Sommer. Mal regnet es, um am folgenden Tag durch Hitze, Sonnenlicht und hohe Luftfeuchtigkeit eine fast tropische Stimmung zu zaubern.






Am Samstag bin ich bei starkem Wind und bedecktem Himmel mit den Fellnasen eine Runde gelaufen, die ich seit Mayas Tod nicht mehr gegangen bin. Ich habe sie mir sozusagen zurück erobert. Belohnt wurde ich durch das glückliche Lächeln von Hope und durch Nellys dankbare Augen, obwohl wir nicht ganz so weit laufen konnten, da Faradiba noch nicht so lange Strecken laufen kann. Überhaupt habe ich heute gemerkt, dass es wohl bald an der Zeit ist, das Rudel in Windspiele versus größere Hunde zu trennen, denn Faradiba hat bereits deutlich Hope an Größe und Gewicht überholt und so steigt aufgrund ihres jugendlichen Leichtsinns und ihrer mangelnden Körperbeherrschung die Verletzungsgefahr für die Italiener. Doch am Samstag sind Flo und Panda schon aufgrund des sich ankündigenden Regens lieber auf der Fensterbank geblieben und so schlenderten wir sorglos zu sechst erst am Lützlower Hünengrab und dann später an den Maisfeldern entlang. Den Wegesrand säumten wunderschöne Wildblumen und eingehüllt in den Duft von Kamille und dem nahenden Regen fühlte ich mich vom Universum geborgen und geliebt gleich den Schmetterlingen und Hummeln, die die sich mit uns gemeinsam in der Einsamkeit vergnügten.





Und Einsamkeit geht noch immer in der Uckermark, wenn auch bestimmte Plätze nun einfach den Urlaubern in unserem schönen Landstrich gehören. Wie einsam, durfte ich erst gestern am Abend erfahren, als ich "nur eben mal" in Groß-Fredenwalde vorbeischauen wollte, wo mein verstorbener Freund Dietmar Lange einen Skulpturengarten angelegt hatte. Wenige seiner Holzskulpturen stehen noch an ihrem alten Platz, selbst der von ihm angelegte Steingarten zeigt noch Struktur und das derzeit neu angelegte Weidenzauntor ist erst jetzt so richtig geformt. Die Kirsch- und die Aprikosenbäume tragen Früchte (Ich frage mich, warum sich die Stare unbedingt auf die Randowtaler Kirschen eingeschossen haben?) und einige Rosen standen in Blüte.




Ein wenig über die Lebenden und die Toten sinnierend beschloss ich, den milden Abend mit einem kurzen Spaziergang abzurunden und lief mit Hope im Schlepptau ein wenig querfeldein. Nunja, um es kurz zu machen, so endete diese Runde erst einige Stunden später mit verschlammten Schuhen und zerkratzten Beinen (Frau trägt Rock!). Auch Hope zeigte sich nicht sonderlich begeistert von unserer größeren Tour: zum Einen war die Abendbrotzeit längst vorüber und zum Zweiten hatte sie schon größenbedingt nicht den besten Ausblick inmitten eines Feldes. So konnte sie die vorbeirennenden Rehe zwar hören, jedoch nicht sehen und ich bin mir sicher, dass sie nach einer Weile genauso orientierungslos war wie ich.






Denn natürlich kenne ich meine kleine Schwäche, was die Ortssicherheit betrifft, und so achtete ich darauf, die Sonne stets im Rücken und die am Horizont sichtbare Straße im Auge zu behalten. Nur lässt es sich auf uckermärkischen Feldern schlecht geradeaus gehen, denn überall sind wunderschöne kleine Tümpel und Bauminseln zu bewundern, die umgangen werden müssen. Dann, als ich nach einem längeren Marsch die vermeintliche Straße erreichte, musste ich feststellen, dass es sich um eine sehr nützliche, allerdings nicht begehbare Strauchhecke handelte, was das Auffinden eines Weges, der mich zu meinem Auto zurückführen würde, wieder etwas hinauszögerte. Schließlich entdeckte ich einen Feldweg, der überhaupt nicht von Bäumen oder Sträuchern gesäumt war, jedoch aufgrund der hügeligen Landschaft schon von Weitem erkennbar.  Von da an war wieder alles ganz einfach.





Touristisch gesehen ist die Landschaft zwischen Gerswalde und Warnitz auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Wie es sich für eine richtige Verirrung gehört, war der Akku meiner Kamera bereits entleert, sonst könnte ich euch diese Aussage mit wunderschönen Bildern belegen. Aber das gelingt mir bestimmt ein anderes Mal. 



Donnerstag, 7. Juli 2016

Wenn Herzen heilen...



Seit das Barsoibaby Faradiba ihr Leben mit uns teilt, merke ich, wie etwas in mir heiler wird. Es ist weniger, was sie tut, als ihre ruhigen, unbeholfenen Bewegungen, die Art, wie sie der aufgeregten und unsicheren Nelly oder Flo ganz sanft ihre Riesenpfote auf die Schulter legt - oder in völliger Verkennung ihres Gewichts auf meinen Bauch plumst, um mir tief in die Augen zu schauen, mit einem Blick, der zu fragen scheint: "Und wer bist Du so? So ganz tief in Dir drin?"







Mein Leben hat sich in den letzten Jahren extrem entschleunigt und auch in meinen zwischenmenschlichen Bewegungen findet diese Fragen: "Wer bist Du? In welcher dieser Welten bewegst Du Dich gerade?" immer mehr Raum. Das ist schön und ganz natürlich, ungezwungen und auch wortlos. In einem solchen Frieden und in dieser Offenheit kann viel passieren. Ich beobachte es gerade mit Freude an Nelly. Jeden Morgen tänzelt sie voller Erwartung um meine Beine herum, um dann mit großem Enthusiasmus auf die Rückbank meines Autos zu springen, obwohl sie weiß, dass im nächsten Augenblick noch zwei laute, unheimliche Menschenkinder dazusteigen werden. Dann sitzt sie mit nach vorne gerecktem Köpfchen am ganzen Körper zitternd, aber auch vorfreudig und mit der ihr ganz eigenen Würde aufrecht in Fahrtrichtung und beobachtet unseren Weg.







Was für ein Mut und was für ein Ausdruck von Lebenslust bei einer Hündin, die sich bei Autofahrten sonst nur in einer Hundebox (Bitte geschlossen!) sicher fühlen konnte. Die ich überall nur an der Leine führte und die nur in meiner Gegenwart den Garten betreten wollte. Nun sitzt sie, einen unübersehbaren Besitzerstolz in ihren schönen dunklen Augen, auf der Terassenbank und überblickt zufrieden ihr Gelände, lässt sich den Wind durch die Flusen wehen und die Sonne auf ihr weißes Fell scheinen. Da sie einen so empfindlichen Hals hat, trägt sie oft nicht einmal ein Halsband, denn sie läuft bei mir nun eh meistens frei.






An Faradiba hat Nelly vom ersten Augenblick einen Narren gefressen. Dachte ich erst, sie hätte das helle Barsoibaby mit jemandem verwechselt, so hat sich an ihren wohlwollenden Blicken, ihrer ungewohnten Sanftmut und ihrer unauffälligen Art der Lenkung nichts geändert. Bekommen die Windspiele Flo und Panda durchaus auch Nellys Unwillen zu spüren, sobald sich eine von ihnen ungefragt ihrem beanspruchten Schlafplatz oder Futter nähert, so legt sie sich mit einem beinahe zufriedenen Ausdruck in Faradibas Nähe, um abzuwarten, dass die Ressource freigegeben wird. Diese Nachsichtigkeit kenne ich sonst nur in ihrer Beziehung zu Hope, die sie noch immer gnadenlos verwöhnt und die "Erziehung" lieber India und mir überlässt.






Pandora dagegen ist froh, eine Spielpartnerin gefunden zu haben, die es mit ihrem Energielevel einigermaßen aufnehmen kann, denn alle anderen in unserem Rudel werden von ihr mühelos "totgespielt". Und so sieht man das ungleiche Paar Faradiba und Pandora über und unter alle Bänke springen und findet einfach keine Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Tieren. Die eine ist groß, tollpatschig, stur, gutmütig und weiß, während die andere blitzschnell, extrem selbstbewusst, wendig, laut, winzig und schwarz ist.





Ich selbst genieße die Zeit mit den zwei Junghunden sehr, habe aber auch dadurch, dass Hope gerade einmal ein Jahr alt ist und in ihrer introvertierten Art eben auch ein ganz eigener Charakter, momentan genug zu tun, der Bande die Führung zu geben, die sie braucht. Kein Wunder also, dass ich es fast nicht bemerkt hätte, dass ein Großteil der Felder des Randowtals bereits abgemäht wurden. Trotz aller Entschleunigung; die Welt bleibt nicht stehen...