Freitag, 13. Januar 2017

Von guten und weniger guten Fragen (Teil 1)



Nun hat der echte Winter auch das Randowtal erreicht. Der Schnee bleibt länger als ein paar Stunden auf den Wiesen und Felder - ja sogar auf unseren kleineren uckermärkischen Straßen liegen und die Uckermark wirkt wieder ruhiger, ja fast besinnlicher als während der etwas hektisch-geselligen Weihnachtsfeiertage.





Während die Kinder ihr Schneeglück genießen und endlich die Schlitten so richtig benutzen können, die während der letzten beiden Winter hauptsächlich im Schuppen ihres Einsatzes harrten, haben die Windspiele nicht nur mit der Kälte zu kämpfen, sondern müssen sich auch durch den Puderschnee durcharbeiten und sich darin üben, nicht auf den glatten vereisten Wegen mit ihren dünnen Beinchen auzurutschen. Windspiele sind rassebdingt eh so anfällig für Beinbrüche, dass ich sie auf besonders gefährlichen Strecken, die zum kopflosen Flitzen verführen könnten, doch lieber anleine. Allerdings ist das eine reine Vorsichtsmassnahme, weil von meinen Spielchen eigentlich nur India und Panda zu Schneehasen taugen.





Karlchen zieht seinen kleinen Nacken ein, jammert über seine schmerzenden Ohrspitzen und heftet sich hoffnungsvoll dicht an meine Fersen: vielleicht ist es in meinem Windschatten ja nicht ganz so ungemütlich. Flo dagegen bleibt an der Leine, da sie sich sonst wieder auf den Weg nach Hause macht: der Sinn solcher Ausflüge leuchtet ihr eh nicht ein, vor allem bei diesen Witterungsverhältnissen. Karlchen mag sein Leid angesteckt von der Lebensfreude der anderen Rudelmitglieder schon manchmal vergessen - Flo könnte das nie. Manchmal bleibt sie stehen und schaut mich aus großen Augen an: "Warum muss das gerade mir passieren?" scheint sie zu fragen.  





Nun habe ich in meiner einmal Jugend gelernt, dass die sogenannten Warum-Frage die letzte W-Frage ist, die man sich stellen sollte, erst sind die anderen, das Wer, Was, Wann, Wo und Wie zu klären. Ich fand diese Herangehensweise mehrere Jahre recht nützlich und solche vom Selbstmitleid getränkten Fragen "Warum denn immer ich?" oder "Warum passiert das immer mir?" haben in meiner Welt kaum eine Rolle gespielt. Bis ich merkte, dass gerade die Frage: "Warum passiert das eigentlich gerade mir?" eine sehr gute Frage ist. 






Wir leben in einer kausalen Welt und die wenigsten Dinge passieren aus reinem Zufall, sondern aus gutem Grund und entspringen einer Ursache. Nun braucht es allerdings ein wenig Reife und Übung im Umgang mit seinen Gedanken und Gefühlen, um diese Ursachen wirklich erforschen zu können und die richtigen Ereignisse in den passenden Zusammenhang zu setzen und sich nicht in gewohnten Bewertungen oder Gefühlen zu verlieren. Nicht immer ist ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen zwei Ereignissen wirklich kausal, oft sind sie einfach nur temporal verknüpft oder eine Ursache-Folge-Beziehung ist nicht zwingend, doch es lohnt sich auf jeden Fall genauer hinzusehen und seine Gefühle dabei zu spüren! Gerade bei immer wieder kehrenden Problemen muss es nicht immer eine echte Lösung geben, oft genügen ein liebevolles Hinsehen und Würdigen oder eine Verbesserung der Begleitumstände.

(Fortsetzung folgt)


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